Mittwoch, 5. Februar 2014

Helgoland: Bombentrichter, Kegelrobben und ganz viel Ruhe

Moin, moin. Heute gibt es ein paar Postkartenfotos von Helgoland. Frisch gemacht und gepostet, während ich hier noch auf der Insel sitze und gerade den Blick von Bild Nummer 4 von meinem Schreibplatz aus sehe. Bis Freitag bin ich noch auf dem Wind umtosten Nordsee-Inselchen und  genieße die dörfliche Ruhe und Abgeschiedenheit. Und das Meerwasserschwimmbad, in dem man auch im Februar im Außenbecken im gut geheizten Wasser seine Bahnen zieht. Nur am Kopf kann es um die Jahreszeit ein bisschen kühl werden. 

Bemerkenswert finde ich das reichliche Angebot an geistigen Getränken aller Couleur und Preisklassen, die hier in zahlreichen Schnapsläden angeboten werden. Denn aus irgendwelchen historischen Gründen wird das Zeug auf Helgoland ohne Mehrwertsteuer und Zollgebühren angeboten und ist dementsprechend billig.Zur Insel will ich jetzt gar nicht viel mehr schreiben: dazu gibt es reichlich Infos auch im diesem unseren Internet, aber die bewegte Geschichte hat hier eine Menge Spuren hinterlassen und vor allem in Form von Sprengstoffeinsatz und Bombardements auch die Topografie der Insel nachhaltig umgestaltet.

Hummerbuden am Südhafen. Dahinter das Krankenhaus.
Das steht in einer Bresche, die es vor 1945 nicht gab. Sie entstand durch die
Sprengung einer riesigen Bunkeranlage, die dort die Kriegsmarine in den Fels gebaut hatte.
Die Kegelrobben haben die Düne vor Helgoland erobert. Und haben eine Menge Junge.
Wenn man beim Muschelsuchen am Strand nicht aufpasst und verträumt nur nach unten starrt,
 steht man möglicherweise auf einmal zwischen  lauter pelzigen Walzen und guckt in feuchte Augen.
Dabei sollte man schon 30 Meter Abstand halten.
Helgoland Hafenpromenade mit interessanten Baudenkmälern

Auf den Straßen von Helgoland ist es im Februar eher ruhiger

Blick zur Düne - aus "unserem" Wohnzimmer
Leuchturm auf der Düne vor Helgoland

Abflug: Für unter 200 Euronen geht es nach Helgoland und zurück

Ich möchte ne Kegelrobbe sein.
Keine Probleme mit den Blutfettwerten trotz dicker Speckschicht.

Ein niedliches Aquarium gibt es auch auf Helgoland.
Leider ist es zur Zeit nur am Samstag geöffnet.

Ein weiter Blick vom Oberland über den Hafen.
Das Abendrot an diesem Tag im Februar lässt die Insel rosa leuchten.
Den großen Leuchtturm finden die Helgoländer offensichtlich nicht
so schön. Vielleicht weil er als ehemaliger Flakturm an die Vergangenheit als
Seefestung erinnert....
... wie auch die zahlreichen Bomben-Trichter und Schutthaufen mit den
Überresten gesprengter Bunker und Geschützstände.
Auch am Kliff an der Westseite sind überall Trümmer,  Beton- und Ziegelreste,
verrostete Leitungen und alte Kabel der geschleiften Festung zu sehen.
Aufsteller am barrierearmen  Infopfad an der Steilküste erzählen die Geschichte der Insel .
Jetzt im Februar sind die meisten Hummerbuden am Hafen geschlossen.
Ohne das Bild geht es nicht: Die Lange Anna, das Wahrzeichen der Insel.
Ein Felsen aus bröckeligem Buntsandstein. An den benachbarten Felswänden
brüten die Trottelllummen und andere Seevögel. 

Freitag, 27. Dezember 2013

12tel Blick im Dezember: Das Finale

Hallohallohallo, bin wieder da. Nach vier Wochen Landverschickung mit Blick auf den Wendelstein hat mich Berlin erneut gnädig aufgenommen. Mein Netbook war mit nach Oberbayern gereist, meine kleine Samsung-Knipse hatte ich auch im Gepäck und tatsächlich machte ich auch ein paar Bilder: Ein bisschen Moor, ein bisschen Gamsbraten mit Knödeln, ein bisschen Kurarchitektur aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nichts Weltbewegendes. Daran, ans Alltägliche, schließe ich mit diesem 12tel Blick an, der wie immer “mein” vollkommen unspektakuläres Bushäuschen der Linie 194 in Berlin-Treptow zeigt. Heute, am ersten Nachweihnachtstag, schauen wir gemeinsam und zum ersten und letzten Mal mit einer Unbekannten über die Straße..

12tel Blick Dezember Berlin

Es hat sich in einem Jahr ordentlich was getan in diesem kleinen Ausschnitt der Welt. Wo im Januar noch Absperrgitter, Schutt und Rohbau die Szene beherrschten, ist heute ein aufgeräumtes Stück Straße zu sehen. Ganz unberlinerisch sauber und unbeschädigt. Krönender Abschluss: Auch der Lottoladen zog rechtzeitig zum Ende der Serie in den Neubau ein. Ende? Ja, Ende. Dieser Blick ist mein letzter, jetzt ist es auch gut mit dem 12tel Blick. Mit diesem ganz speziellen zumindest.

Ein Jahr das selbe Motiv reicht mir. Sicher, es könnte noch einiges passieren. Wer weiß, ob das Grünflächenamt den in einer Guerilla-Aktion gepflanzten Kirschbaum nicht doch noch absägt. Vielleicht sitzt auch mal jemand auf dem linken Balkon. Oder die Vorhänge im der Altbauwohnung im 1. Stock sind eines Tages aufgezogen und wir erfahren – endlich, endlich – wer da so verborgen haust. Aber ist so ein bisschen Ungewissheit nicht viel schöner, muss ich wirklich mit der Kamera alles ans Tageslicht zerren?  Ich jedenfalls möchte das nicht, ein kleines Geheimnis sollte bleiben. Ich finde, dass wir von Juli bis November genügend kleine weiße Gießkannen gesehen haben. Wer mehr wissen will kann sich ja jederzeit auf die Lauer legen: Bei Interesse verrate ich gerne den Namen der Haltestelle.

Ausdrücklich bedanke ich mich bei Tabea Heinicker, dass sie den 12tel Blick im Januar dieses Jahres gestartet hat. Ohne diesen Anstoß hätte ich mein erstes Langzeitprojekt bestimmt nicht so konsequent durchgezogen. Und damit bin ich schon mitten in der Auswertung.

Gut

  • Ein Projekt durchgezogen und es hat Spaß gemacht;
  • mit Festbrennweite und ND-Filter gearbeitet;
  • das Stativ endlich konsequent eingesetzt;
  • einige – meiner Meinung nach – interessante Bilder gemacht;
  • in RAW fotografiert;
  • meinen Kiez intensiv beobachtet;
  • eine Menge interessante Gespräche beim Knipsen geführt;
  • bei jedem Wetter und allen Lichtverhältnissen – auch in der Nacht –fotografiert;
  • nette und interessante Kommentare im Blog erhalten und viele spannende 12tel-Blick-Bilder gesehen und dabei hervorragende Blogs entdeckt;
  • endlich bei einem Blogcommunity-Projekt mitgemacht;
  • Glück mit der Motivwahl;
  • Nicht bedroht und böse angepöbelt worden ;)

Nicht so gut

  • idiotischerweise am Anfang auf eine Brennweite (28mm) festgelegt, ohne vorher Probebilder zu machen und den Ausschnitt erst einmal in Ruhe zu analysieren. Das war dann zu Anfang doch etwas überstürzt;
  • mit dem Schärfepunkt und den Belichtungszeiten zu viel herum experimentiert;
  • statt gleich auf manuelle Belichtung zu gehen, zuerst mit Blendenvorwahl und Belichtungskorrektur gearbeitet;
  • zu Beginn die Stativeinstellung nicht dokumentiert (wozu hat man Digitalkameras…), außerdem den Standort nicht genau markiert;
  • bei hellem Licht wäre wäre ein stärkeres Graufilter gut gewesen um lange Belichtungszeiten für die Unschärfe zu erhalten. Ich hatte aber keines.

Aus dem “Nicht-so-gut” habe ich eine Menge gelernt. Hilfreich waren auch die Kommentare im Blog, die mir halfen, mein Motiv besser kennenzulernen, die Defizite zu sehen und einige wertvolle Anstöße gegeben haben. Danke dafür!

Glückwunsch an alle MitknipserInnen, die Monat für Monat losgetigert sind, um ihren Blick festzuhalten und ihn mit uns zu teilen. Wer nicht jedes Mal mit dabei war, muss sich auch nicht grämen - ein Jahr kann sehr lang sein. Alle 12tel Blicke vom Dezember findet ihr bei Tabea Heinicker. Meine 12 Bilder sind hier aufgelistet.

Montag, 25. November 2013

12tel-Blick November: Da möchte man nicht mehr vor die Türe

Ha, gestern war ein Novembertag wie aus dem Bilderbuch: Dicke Wolken, ab und zu ein fieser Regenguss, ein kalter Wind riss die letzten Blätter von den Bäumen und schnitt durch meinen Mantel. Nach einer guten halben Stunde packte ich mit klammen Fingern Stativ und Kamera ein und floh ins nächste Kaffee, um mich dort mit einem heißen Espresso wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Den Regenschirm brauchte ich glücklicherweise nicht und meiner Pentax macht ein wenig Getröpfel und Geniesel auch nichts aus.

12telBlick November Bushaltestelle mit treibenden Blättern

Diesmal blieb niemand stehen, um ein bisschen fachzusimpeln oder Hasskommentare abzulassen oder einfach nur ein wenig über den Kiez und das Leben und so zu plaudern. Kein Wetter zum Verweilen. Nein, wirklich nicht. Deshalb mache ich mich jetzt auch mal vom Acker, verlasse Berlin für ein paar Wochen Richtung (deutschem) Süden. Energie tanken, müde Knochen und Muskeln aktivieren, zur Besinnung kommen, Hirnwindungen wieder in Form legen. Dann reicht es hoffentlich an dieser Stelle wieder für mehr als den 12tel Blick. Beim Treffen der Bloggem Mittwoch vor einer Woche wurde auch kritisch bemerkt, ich würde recht wenig posten. Ja, das ist leider wahr und ich bin auch nicht glücklich über diesen Zustand. Aber ich sehe zuversichtlich auf die kommenden Wochen. Im Dezember bin sich wieder da – pünktlich zum nächsten 12tel Blick.

Bis dahin wünsche ich: gutes Wetter, eine stressarme Adventszeit (stressfrei gibt es nicht mehr…), trotz dunkler Tage und noch dunklerer Nächte doch das eine oder andere gelungene Foto. Und hier sind zum vorletzten Mal in diesem Jahr die neuen 12tel-Blicke bei Tabea.