Eigentlich bin ich fototechnisch hervorragend ausgestattet. In meiner Fototasche tummelt sich alles, was der Hobbyist braucht, um die Festplatte mit Bildern aus allen Lebenslagen vollzumüllen. Eine schicke digitale Spiegelreflex findet sich da, dazu zwei (Standard-)Zoomobjektive und einige wenige nette Festbrennweiten.. Dazu ein ganz guter Blitz aus Zirndorf. Den benötige ich nur selten, Kameras mit mFT, APS-C- und Kleinbildsensoren können es schließlich langsam mit militärischen Nachtsichtgeräten aufnehmen. Aber manchmal ist halt gar kein Licht, oder ich möchte Verwacklungsunschärfe vermeiden, obwohl sich die Motive in der Düsternis bewegen. Manche finden Aufsteckblitze ja absolut UNMÖGLICH, denen kann ich aber auch nicht helfen.
Das ist eine wunderbare Ausstattung, den Nachteil will ich nicht verschweigen: selbst wenn ich nur Kamera, Ersatzakku und noch zwei weitere Objektive einpacke, reißen da über drei Kilo an der Schulter. Das ist nix für das spontane Foto zwischendurch, und solche Gewichte musst du auch gewohnt sein. Nach längeren Fototouren hatte ich schon heftigen Muskelkater im Arm (nein, ich brauche kein Hanteltraining!), einmal auch eine leichte Schulterzerrung.
“Das muss anders werden”, dachte ich mir und machte mich auf die Suche nach einer brauchbaren Kamera für immer dabei, nachdem mich die Fotos meines Handys nicht überzeugt hatten. Die Anforderungen waren klar:
- Lichtstarke Zoomoptik mit annehmbarem Weitwinkel
- Leicht und muss notfalls in die Jackentasche passen
- Geringe Auslöseverzögerung
- Einigermaßen fixer Autofocus
- Alle Parameter müssen sich manuell einstellen lassen
- Spotmessung und mittenbetonte Integralmessung
- Rauscharm bis ISO 400
- Sehr gute Bildqualität bis ISO 200.
- RAW-Format
Ganz nett wäre ein optischer oder elektronischer Sucher gewesen, das musste aber nicht sein. Absolut verzichtbar finde ich einen Videomodus. Wechseloptiken brauche ich auch nicht, dafür habe ich meine Spiegelreflex.
Mit diesem Katalog findet man sich im Spitzensegment der “Kompakten”, das nur Fujifilm, Nikon, Ricoh und Canon mit jeweils einem, höchstens zwei Modellen in der Preisklasse ab 500 Euro bedienen. Ok, es gibt auch noch Leica, deren Preis ich aber nicht bereit bin zu zahlen (X1 so um die 1400 Euro…) – schon gar nicht für eine Zweitkamera. Und es gibt Sigma, deren DP2 sich durch ein eher gemütliches Tempo trotz Festbrennweite auszeichnet.
So landete ich, wieder mal muss ich sagen, bei Samsung, die mit der EX1 eine Kamera mit absolut unschlagbarem Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Die Ausstattung ist etwas mager: Trageriemen, Objektivdeckel, Akku und kombiniertes Lade/Übertragungskabel mit Netzstecker - das war’s. Ein gedrucktes Handbuch fehlt, ebenso ein separater Akkulader. Dadurch kann der Akku kann nur in der Kamera geladen werden. Das schicke Täschchen und der Ersatzakku (von Reichelt, < vier Euro) auf dem Bild gehören leider nicht zum Lieferumfang.
Aber was soll’s: Für deutlich unter 300 Euro bekam ich die Knipse, die meine Erwartungen inzwischen mehr als übertrifft. Im Gegensatz zur Konkurrenz hat die Samsung EX1 zwar keinen Sucher, aber das war sowieso nur ein nett-zu-haben-brauch-ich-aber-nicht-Feature. Dafür bekomme ich – zusätzlich zum obigen Wunschkatalog:
- ein wertiges Alugehäuse (gibt’s in Grau und Schwarz) mit gummierten Griff für die rechte Hand.
- sehr schön zeichnendes Objektiv mit einem Zoombereich von 24-72 mm (auf Kleinbild umgerechnet) ein Weitwinkel, wie ich es mir schon immer gewünscht habe, und dann auch noch mit Lichtstärke 1,8 (endet bei 2,4)
- völlig ausreichende zehn Megapixel
- Klapp- und schwenkbares Amoled-Display
- Optische (und digitale!) Bildstabilisierung
- ALLES manuell einstellbar
- Lustige Diashowprogramme mit Effekten und Fahrstuhlmusik
- Die Videos sind direkt HTML5-fähig (h264) (brauch ich aber auch nicht)
- und ein Haufen Zeugs mehr, den ich hier gar nicht komplett aufzählen will.
Die Handhabung eines solchen Gerätes ist auch immer Geschmacksache, meinen Geschmack hat sie jedenfalls getroffen. Alle Funktionen sind leicht erreichbar, vieles auch über Direktzugriff. Die Wahlrädchen rasten ein, Knöpfe und Schalter haben spür- und hörbare Druckpunkte.
Besonders überzeugend finde ich das Amoled-Display. Brillante Farben, auch im Hellen gut zu erkennen. Außerdem kann ich es um 180 Grad klappen und drehen. Hier ein kleiner Test mit Selbstauslöser (zehn Sekunden).
Kameras folgen uns nach, sind uns fremd.
Wer mir jetzt verraten kann, wieso das Bild auf der EX1 spiegelverkehrt ist, bekommt einen Keks. Ich weiß es nämlich auch nicht.
Als einziges nervt mich dieser Objektivdeckel, weil ich immer vergesse ihn abzunehmen, bevor ich die Kamera einschalte. Die Kamera macht dann immer “kloink” und mault mich an, ich solle die Kappe öffnen.
Noch ein Wort zur Software. Auf der Kamera selbst ist einfaches Bearbeitungsprogramm installiert, das auf Windowsrechnern startet, wenn die EX1 als Laufwerk angeschlossen ist. Kann nur JPG- und Videobearbeitung. Einmal ausprobiert, funktioniert, brauche ich aber nicht. Den Autostart kann man Gottseidank abschalten.
Interessanter ist der RAW-Converter auf der CD, der auch JPEGs bearbeiten kann.
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Der mitgelieferte RAW-Converter
Er kann Fotos in einer Warteschlange verarbeiten und beherrscht die wichtigsten Entwicklungseinstellungen. Zumindest kommt man damit ohne extra RAW-Konverter aus, das Programm ist recht selbsterklärend und ausreichend komfortabel. Leider kann er das Samsung-RAW-Format nicht in das offene DNG-Format wandeln.
Aber das ist alles zu verschmerzen. Zurzeit nehme ich sowieso nur JPEGS auf. Die Qualität ist für mich absolut ausreichend, die Farben sind sehr schön, wie ich finde.
Es tatsächlich so: Seit ich die EX1 habe, ist sie zu meiner “Immer-dabei” geworden. Klein, leicht, günstig, gute Qualität, ausreichend schnell und robust – und es gilt doch immer: Wichtig ist auf dem Bild!
Und warum ich ohne Spiegelreflex nicht mehr leben kann? Könnte ich ohne weiteres, aber ich will nicht.
