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Heiße Liebe in Schwarz nach enttäuschter Beziehung

Es gab schon einige in meinem Leben. Kantige, Zickige, Schmiegsame, Unauffällige, Laute, Professionelle und welche mehr zum Spielen, denn zum ernsthaften Arbeiten. Ich rede hier von Fotoapparaten – und wer schon einmal ernsthaft über einen längeren Zeitraum fotografiert hat, wird mir womöglich zustimmen, dass sich zwischen dem Apparat und dem fotografierenden Menschen mit der Zeit eine gewisse (haptische) Beziehung aufbaut.

Mich hat es im vergangenen Sommer schwer erwischt. Brennende Leidenschaft, große Liebe, nach vielen müden Kompromissen. Inzwischen verstehe ich den Enthusiasmus der Leicafans. Es ist wohl diese Kombination aus Wertigkeit und Reduktion auf das Wesentliche: Eine Maschine zum Bilder festhalten, ohne Kompromisse und Schnickschnack, mit sündteuren, aber auch sehr guten Optiken. Doch bei mir ist es die Ricoh, die mich zum Fanboy machte.


Von der Samsung EX1 zur Ricoh GR II Müde von den Unzulänglichkeiten meiner Samsung EX1, machte ich mich auf die Suche nach Ersatz für d…
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Büroalltag: Kleingärtnern in der Hitzehölle

Ein Büro ist eine recht standardisierte Umgebung. "Meins" (es gehört ja nicht wirklich mir) hat die übliche Ausstattung aus grauem Nadelfilzteppich, beigen und grauen Möbeln und weiß gestrichenen Strukturtapeten an der Wand.

Grandios ist allerdings der Blick aus dem Fenster - im Sommer schaue ich direkt ins dichte Laubwerk einer mächtigen Traubeneiche; in ihren nackigen Monaten gewährt sie mir Aussicht auf die umliegenden Bürogebäude.

Gut fürs Gemüt
Die große Pflanze vor dem Bürofenster ist zwar nett, aber ich wollte in dem ganzen Grau auch wieder ein paar grüne Kumpels haben, nachdem das Fensterbrett lange Zeit einen traurigen Anblick geboten hatte. Der Arbeitsalltag lockert sich doch ein wenig auf, wenn man nach langen Stunden am Computer dem Kaktus über das Stachelkleid schrabben kann. Die Erkenntnis, dass Zimmerpflanzen gut fürs Gemüt sind und im Grunde jedes Büro welche braucht, wurde mir jedoch nicht in die Büromenschenwiege gelegt.

Jahrelang hatte ich zwei verwachsen…

Es ist ein Auto, es ist ein Opel, ein Opel Kadett

Heute wurde das Geschäft verkündet. Für schlappe 1,3 Milliarden Euro stößt General Motors Opel ab. Ist es Zufall, dass ich gestern am Rand des Humboldthains auf einen arg lädierten Kadett B mit Oldtimerkennzeichen stieß? Die rechten Reifen beide platt, der Lack rau und matt, aber ansonsten äußerlich unversehrt. Das Innenleben dürfte aber nicht so gut aussehen, sonst würde das Schätzchen nicht scheinbar herrenlos vor sich hingammeln. Außen ok, wenn man genauer hinsieht aber ziemlich mürbe, so wie lange Zeit die einst glorreiche Firma aus Rüsselsheim, diesem Ort, von dem jeder schon gehört, den aber kaum jemand besucht hat. 



Die deutsche Automarke für Rentner und Fuchsschwanzbesitzer wird also französisch. Ob mein Opa, der fanatische Opelfan, jetzt nochmal eines der Autos mit dem Blitz am Kühler kaufen würde? Vermutlich schon, denn dass Opel zu General Motors gehörte, hatte ihn trotz seines historisch begründeten Antiamerikanismuses nie gestört. Die Frage ist natürlich rein hypothet…

Karpfenreportage: Des Franken liebsten Fisch auf der Spur

Manche Fotomotive lassen mich einfach nicht los.

Der fränkische Spiegelkarpfen zum Beispiel fasziniert mich seit meiner Kindheit. Aufgewachsen in einer Gastwirtschaft, wurde ich als kleiner Junge jeden Herbst Zeuge eines wahrhaft gargantuischen Ereignisses – der "Fischpartie" im Gasthaus Bräustübl in einer kleinen fränkischen Marktgemeinde. 250 bis 300 Karpfen von je rund 1,5 kg Gewicht verkaufte meine Großmutter, die legendäre Grete Süß, in halben Portionen innerhalb von 4 Tagen an die hungrigen Gäste.



Ein goldgrüner Karpfen nach dem anderen wurde geschlachtet  Das Bild der Metzgers, der die lebenden Fische in dieser Zeit schlachtete und für die Küche vorbereitete, werde ich nie vergessen. Das stand dieser mächtige, fast zahnlose Mann mit weißer Schürze und blaugestreifer Arbeitskleidung in der Waschküche, die als Schlachthaus diente. Mit präzisen Handgriffen holte er einen goldgrün schimmernden Spiegelkarpfen nach dem anderen aus einer riesigen Zinkwanne, betäubte die zapp…

"Schweine befreien" - Ein Krimi über Suff, Fußball und Journalismus in der deutschen Provinz

Neulich verschlug es mich mit der Liebsten in den Buchladen am Bayerischen Platz zu einer Lesung, die eigentlich keine war. Denn vorgelesen wurde relativ wenig, dafür unterhielten sich Buchhändlerin Christiane Fritsch-Weith und Jörg Sundermeier, Chef des Verbrecher-Verlags, überaus erfrischend und unterhaltsam über Bücher, Lieblingsautoren und übers Büchermachen. Ein literarisches Duett, das mir sofort Appetit auf das Verbrecher-Verlag-Portfolio machte. Denn Sundermeier stellte seine Lieblinge voller Enthusiasmus vor, verhaspelte sich vor Erfurcht, als er ein von ihm verlegtes Gedicht von Georg Kreisler vortrug und sprach mit einer solchen Zuneigung von seinen Autorinnen und Autoren, dass ich mit dem festen Vorsatz die Buchhandlung verließ, ein paar der Werke zu lesen. Das Ziel des Abends war aus Buchhändlersicht somit eindeutig erreicht.



Ich stöberte in den nächsten Tagen durch die Webseite des Verbrecher-Verlags, fand auch die Sundermeierschen Favoriten, stieß dann aber auf ein Buch…

NaPoBloMo Folge 17-20: Ein Ausflug nach Leipzig. Oder nach „Hypezig“?

Es waren dreizehn Jahre, die ich in Leipzig gelebt habe. Es war eine wunderbare Zeit, vor allem am Anfang, 1994, bis in die frühen Nullerjahre. Eine Stadt, in der so viel passierte, obwohl oder gerade weil sie so kaputt war.

Dann, fast unmerklich passierte es, schien die Luft raus diesem wilden Pleiße-Ort, Müdigkeit schlich sich ein. Vielleicht lag es auch daran, dass mein Studium vorbei war, fast alle lieben, coolen, spannenden, anregenden Menschen, die Leipzig während unseres Studiums mit zu diesem prickelnden Ort gemacht hatten, weg waren. Das Studium beendet, in die Welt aufgebrochen, um zu arbeiten, weiter zu studieren, zu verschwinden, irgendwo zu heiraten und Kinder zu kriegen, in Dresden zu stranden, was auch immer. Dann ging ich auch fort, um aber etwa einmal im Jahr aus Beingründen vorbeizuschauen und so konnte ich dem alten Leipzig zusehen, wie es sich herausputzte, im Zeitraffer quasi.



Manche Sachen bekommt man aber doch nicht mit. So hörte ich vergangenes Jahr, es hieße…

NaPoBloMo Folge 14-16: Zäsur mit Traumhaus

Heute lasse ich die Cadolzburg einfach Burg sein und nehme mir stattdessen die aktuelle Frage #16 vom Makellosmag vor:
„Wie sähe dein Traumhaus aus, wenn du eines hast.“ Traumhäuser. Sind das nicht diese Einfamilienschachteln, die sich dichtgedrängt und durcheinandergewürfelt in deutschen Vorstadtsiedlungen drängeln? Meist zweistöckige Häuschen – Parterre und Obergeschoß – mit Carport für zwei Autos, bunt glasierten Dachziegeln, garniert mit Krüppelwalm, Erkerchen und multigonalen Ausluchten, Dreiecksgucklöchern im Giebel, Scheinmansarden und alpenländisch anmutenden Balkonen in der norddeutschen Tiefebene oder auf dem fränkischen Acker. Eingerahmt von Tujenhecken, falschen Granitmäuerchen, dazwischen malerische Stichstraßen mit Verbundpflaster und Cotoneaster-Rabatten, verkehrsberuhigt und menschenleer. Solche Häuschen sehe ich immer auf Prospekten, manchmal auch auf Plakaten in Bus und Bahn, die mich anschreien: „Wir bauen ihr Traumhaus“.

Traumhaus. Das kann auch Albtraum bedeuten. …