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Aus meiner Archivkiste: Feuersbrunst auf dem Dorfe

Die späten 80er Jahre brachten mir meinen ersten Job ein, der weder mit Bierkistenschleppen noch dem Verkauf von Currywurst und Gummibärchen zu tun hatte. Ich wurde Reporter bei den Fürther Nachrichten. Als freier Mitarbeiter war ich zuständig für die Berichterstattung aus meiner Heimatgemeinde am Rande des Landkreises. Kein Ort, wo die Geschichten auf der Straße liegen. Kein Ort, der einen Schreiberling wirklich hätte ernähren können. 50 Pfennig zahlte die Landkreisredaktion für die Zeile, 20 Mark für ein Schwarzweißbild im Blatt. Davon brachte man in der Regel nicht allzuviel unter. Denn der Platz war knapp für die Texte, die ich auf einer mechanischen Schreibmaschine auf Manuskriptpapier tippte. Und noch weniger Raum gab es für die Fotos, die ich mit Papas alter Canon AV-1 mit ihrem matschig abbildendem Makinon-Objektiv schoß.



Ich schrieb und knipste nicht selten für den Stehsatz. Denn unter der Woche hatte "der Landkreis" oft nur eine oder gar nur eine halbe Seite Platz. Es konnten also dauern, bis es ein Artikelchen gedruckt wurde. Und dann meistens in den Landkreisnachrichten. Dieser Beileger zur Mantelzeitung erschien (und erscheint wohl noch immer) ausschließlich freitags. Mit Berichten über Bauvorhaben, Feuerwehrprüfungen, Vereinsleben, Gemeinderatssitzungen. Selten, wie meist in Heimatzeitungen, gab es Reportagen und journalistisch recherchierte Hintergrundberichte zu lesen. Ab und zu erfreute auch ein Miniskandal die Abonnenten. Sofern man Verstöße gegen Bauordnungen und Machtkämpfe in Stadträten skandalös finden kann.

Manchmal aber wurde ich zu Ereignissen gerufen, bei denen ich heute noch Gänsehaut beim Betrachten der Bilder bekomme. Der Brand eines Bauernhauses in Dippoldsberg gehört dazu. Weil bei meinen vielen Umzügen irgendwann auch mein Zeitungsarchiv verschwand, weiß ich heute nicht einmal mehr den genauen Zeitpunkt des Unglücks. Es muss aber im Spätherbst oder Winter der Jahre 1993 oder 1994 gewesen sein. Zwei Tage hielt der Brand sämtliche Freiwilligen Feuerwehren der Umgebung in Atem - das Haus wurde vollständig zerstört. Noch immer sehe ich den Besitzer vor mir stehen, rußverschmiert in seinem blauen Arbeitskittel, wie er um seine Fassung ringt. Heute würde ich an diese Aufgabe anders herangehen. Doch damals war ich von der Brandkatastrophe einfach nur betroffen und auch überwältigt.

Die Bilderserie: 










In meiner Negativkiste fand ich nur noch die Fotos, die jetzt in der Bilderserie zu sehen sind. Bemerkenswert ist die schlechte technische Qualität: trübes Winterlicht zwang mich mit offener Blende zu fotografieren, möglicherweise wurde der Film sogar auf ISO 800 gepusht. Ich weiß es nicht mehr - Kleinbildfilm besitzt leider keine EXIF-Daten. Deshalb kann ich nur vermuten, dass diese Aufnahmen mit einer Canon A-1 und einem Makinon-Zoom entstanden. Die nicht typgerechte Entwicklung könnte ein weiterer Grund für die mangelnde Brillanz sein: Im Zeitungslabor landeten alle Filmsorten gemeinsam im gleichen Entwickler und wurden einem Standardprozess unterzogen. Auf manchen Abzügen kann man auch Kratzer und Wasserflecken sehen, was diesem Zeitdokument aber nichts von seiner Stärke nimmt.

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