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Es werden Posts vom 2011 angezeigt.

Nicht aufgeben!

Dieser 23. Dezember hat alles, was den deutschen Winter so verabscheuungswürdig machen kann, nämlich Nieselregen verbunden mit einer deprimierenden Lichtlosigkeit. Sieben Stunden 38 Minuten war es heute in Berlin hell, oder besser: nicht ganz dunkel. Doch seit gestern ist das Schlimmste geschafft, ab sofort scheint die Sonnes nun jeden Tag gute zwei Minuten länger. Nur noch 89 Tage bis Frühlingsanfang. Hurra! Hier ein Foto zur Erinnerung an die schönste aller Jahreszeiten, aufgenommen am Tegeler Fließ bei Lübars am 26. März. Sonnenscheindauer zwölf Stunden dreiunddreißig Minuten – sagt jedenfalls der Sonnenrechner auf Manfreds Wetterseite. Pentax K100 D, 28mm, 1/500 f.8

Dies ist kein Käse (Ceci n’est pas un fromage).

Dies ist kein Käse.Der große Surrealist René Margritte hat einmal ein Ölbild gemalt, auf dem wir eine Tabakspfeife sehen. Aber sehen wir wirklich eine Pfeife? Natürlich nicht. Auf der Leinwand prangt allenfalls das Abbild eines solchen Rauchutensils. Wir nehmen ein Muster aus Farbflächen, Texturen und Linien auf einem Trägermedium wahr, die unser Hirn aufgrund seiner Erfahrung als die Darstellung einer Pfeife klassifiziert. Oder um das Haar noch feiner zu spalten: Unser Auge empfängt elektromagnetische Strahlung unterschiedlicher Wellenlänge, die vom Gegenstand reflektiert wurden und wandelt diese in Nervenreize um, die irgendwo im Sehzentrum unseres Gehirns landen und dort sich auf wundersame Weise für uns in einen Gegenstand verwandeln. Wir würden also ganz unzweifelhaft einem schrecklichen Deutungsirrtum aufsitzen, hätte Herr Margritte nicht “Ceci n’est pas une pipe.” unter das Abbild geschrieben. Dies ist keine Pfeife, schreit es uns an und das kapiert erst mal niemand, außer man …

Mahlzeit!

Ich bin mit gutem Essen aufgewachsen, in einem Dorfgasthaus in Mittelfranken. Meine Mutter und meine Oma machten die Küche, sehr traditionell und schweinern deftig. Schäufele, Rouladen, Fleischküchle und Hackbraten gab es, saure Innereien und im Herbst wurden hunderte Karpfen frittiert und verspeist. In riesigen Töpfen wallten die Klöße – rohe und solche aus Semmeln, Sauerkraut köchelte auf dem heißen Herd und goldgelber Kartoffelsalat wartete darauf, Schnitzeln und Rippchen als Beilage dienen zu dürfen. Fast alles wurde frisch zu bereitet, sogar die Kuchen wurden selbst gebacken.
Das Gasthaus selbst war sehr alt, 18. Jahrhundert, genaues Baujahr unbekannt. Der Kartoffelkeller hatte teilweise noch einem Boden aus gestampften Lehm, ein riesiger uralter Spülstein und alte rote Kacheln in der Küche würden heutige Hygienefander erblassen lassen. In der Gaststube mit ihren Holzbänken drängten sich die Mittagsgäste an Resopal-Tischen. Zur Mahlzeit tranken sie Bier oder Spezi, das mein Opa a…

Gelesen, geschrieben, fotografiert

Ein schöner Roman, eine tolle Kurzgeschichtensammlung, eine packende Graphic novel (hierzulande leider meist zu “Comic” verniedlicht und verunglimpft) – das hätte ich mal lesen sollen die letzten Wochen. Einfach schmökern und entspannen dabei, das wär’s. Aber was tue ich? Ich hole mir ein Sachbuch, um darüber eine Rezension zu schreiben. Das Buch ist von Jeremy Rifkin, einem relativ bekannten Politikberater und Think Tank. Rifkin erzählt uns, was Rohöl und die Wirtschaftskrise miteinander zu tun haben und wie er sich die Energieversorgung unserer Welt zukünftig vorstellt. Außerdem erfahren wir, welche Rolle Angela Merkel dabei spielt. Das Buch heißt “Die dritte industrielle Revolution - Die Zukunft der Wirtschaft nach dem Atomzeitalter” . Meine Kritik könnt Ihr im Onlinemagazin GEGENBLENDE unter dem Titel “Energiewende: Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern” nachlesen. Die Lektüre hat übrigens mir bedeutend mehr Freunde gemacht, als Roland Kochs politischer Sc…

Unterwegs: Das Foto aus dem Fenster

Was macht Ihr eigentlich, wenn Ihr im Zug unterwegs seid? Die Mehrzahl der Leute guckt aus dem Fenster, liest, döst, unterhält sich, hört Musik oder sieht sich Filme auf dem Notebook an. Manche versuchen auch zu arbeiten. Aber kaum jemand fotografiert die vorbeirauschende Landschaft. Was soll daran auch spannend sein – an Feldern, Wäldern und Wiesen, an Hochspannungsleitungen und Landstraßen, verfallenden Bahnhofsgebäuden und Reihenhaussiedlungen in den Vororten der Städte? Zugegeben, spektakulär ist das in der Regel nicht, was da zu sehen ist. Aber seit meinem Fotoworkshop im Sommer 2010 hat das für mich einen gewissen Reiz, der mich nicht mehr los lässt. Denn man fotografiert aus einem abgeschotteten Innenraum eine bewegte Welt, die lautlos in einem irren Tempo an einem vorbeirauscht. Auch wenn die Kamera aufnahmebereit ist, so spielt der Zufall doch die größte Rolle für das Ergebnis. Denn kaum ahnt man das Motiv, ist es schon wieder aus dem Blick verschwunden, die Lichtverhältnisse…

Ich geh am Stock

Jetzt nicht mehr, aber die vergangenen Wochen leider allzu oft. Das tägliche Leben gestaltet sich recht mühsam, wenn es ohne Krücken (politisch korrekt auch als “Gehstützen” oder “Stützen” verniedlicht) nicht mehr geht. Jeder alltägliche Fußweg zieht sich auf einmal endlos dahin, die Arme werden schwer, die Hände verschwielen mit erstaunlicher Geschwindigkeit, das Knie am gesunden Bein fängt an zu jammern und überhaupt ist das alles total nervig. Getränke kann ich nur in Gefäßen mit Deckel transportieren, ein Einkauf wird zum Problem und Berlin präsentiert sich von seiner barrierefreudigsten Seite. Seit ich die schmierigen Hühnerleitern Treppen des Ostkreuzes bei Nieselregen mit einem Bein bewältigt habe, suche ich im Lokalteil immer nach Meldungen, dass sich dort jemand den Hals gebrochen hat. Bisher Gottseidank ohne Erfolg, aber es soll ja noch zwei bis drei Jährchen weiter gebaut werden. Warum schafft es die Bahn nicht, so etwas wie Behelfsaufzüge einzurichten, wenn sich einer der …

Handyfoto: Die Kathedrale des Fortschritts

Ein bisschen Distanz soll den Blick für Altbekanntes schärfen. Den Leipziger Hauptbahnhof kenne ich sehr gut, wir beide liefen uns fast 13 Jahre lang ständig über den Weg. Dann wurde ich ihm untreu und treibe mich seit einiger Zeit hauptsächlich in den Eisenbahnstationen der Hauptstadt herum. Seit ein paar Monaten sehen wir uns wieder öfter, um weiterhin gut zu Fuß zu bleiben, fahre ich nun häufiger in mein geliebtes Leipzig. Meist nehme ich aus Gewohnheit den Weg durch die Westhalle zur Straßenbahn. An dem Tag, an dem dieses Foto entstand, wandte ich mich vom Querbahnsteig nach links, Richtung Osthalle – und vor mir öffnete sich dieser gewaltige Raum aus den frühen Tagen des 20. Jahrhunderts, geflutet von der morgendlichen Frühherbstsonne, Menschen hasteten zum Zug oder zum Vorplatz. So hatte ich die Halle, die im Gegensatz zu ihrer westlichen Zwillingschwester fast unverbaut blieb, noch nie bewusst wahrgenommen. Bei allen früheren Fahrten hatte ich meine “richtige” Kamera dabei, aus…

Spielzeug für Sonderlinge: Neues Leben für alte Knipsen

Die Digitaltechnik hat die Fotografie demokratisiert. Wo man hinschaut in Berlin: irgendjemand drückt immer ab, mit Handy, Kompaktknipse oder Spiegelreflex. Gibt es außer Waschmaschinen und Nasenhaarschneidern eigentlich noch Elektronik ohne Kamera?

Dass ich mich mit dem Netbook ablichten kann, auf dem ich diese Zeilen tippe, ist nicht weiter erwähnenswert. Sogar der Bundestrojaner bedient sich dieser Ausstattung, wie wir jetzt wissen.

Früher, das heißt vor fünf, sechs Jahren, wurde man noch raunend gefragt, ob man denn nun schon „digital“ oder immer noch mit Film fotografiere. Mittlerweile fragt das niemand mehr: Wer von Fotografie spricht, meint digital und Menschen, die noch Filme einlegen, können nur fortschrittsverweigernde Sonderlinge sein oder schlichtweg zu alt, um sich sich mit der „neuen“ Technik noch anzufreunden.

Mit dem Plastikbomber auf die Pirsch

Dritte Möglichkeit: man ist jung und hip und will irgendwie anders sein als die knipsende Plebs mit Handy oder 169 Eu…

Auflösung Fotobuchrätsel

Die Beteiligung an meinem Fotobuch-Rätsel war mit genau einem Teilnehmer umwerfend. Und der lag auch daneben. Also keine Preise (Steffen: beim nächsten Mal gibt’s trotzdem Getränke!). Also hier die Auflösung. Bild eins:

Was es genau ist, kann ich auch nicht sagen. Aufgrund der Figurengruppe würde ich vermuten, dass die Dame im geblümten Kleid an einer Konzerthalle oder einem Theater vorbei marschiert. Wer Russland vermutet hat, irrt, ist aber nahe dran. Das Ensemble ist in der Ukraine zu finden, in Charkiw (Харків),russisch Charkow (Харькoв). Zum zweiten Bild:



Das Foto wurde auf einer Bahnfahrt von Charkiw nach Belgorod im Süden Russlands geschossen. Ob im Hintergrund Belgorod zu sehen ist: keine Ahnung. Wir befinden uns also im Grenzgebiet zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken, in der weiten Steppe nördlich des Schwarzen Meeres. Der Andrej-Tarkowski-Look kommt von einer (unbeabsichtigen) Überbelichtung mit falschem Weißabgleich, wie ich den EXIF-Daten entnehmen konnte. Da h…

Aus meiner Archivkiste: Karpfenernte

Der November hat einige unerfreuliche Eigenschaften: er dreht allmählich das Licht herunter, umwölkt uns mit Nebel und Niesel und peitscht uns seine Sturmböen ins Gesicht. In meiner fränkischen Heimat ist das nicht anders, doch besitzt dieser böse Monat dort auch seine guten Seiten. Die immer länger werdenden dunklen Abende eignen sich vorzüglich für ausgiebige Wirtshausbesuche. Dort lässt sich die beginnende Wintermelancholie mit einem frischen Spiegelkarpfen und zwei bis drei Halben vom guten Hellen und Gesprächen mit bis dato völlig unbekannten Menschen trefflich abpolstern.
Die Monate mit “R” sind Karpfenzeit und überall zwischen Aisch, Zenn, Bibert gibt es die fränkische Variante des köstlichen Friedfisches. Hochrückig ist er, nur wenige großen Schuppen schillern am Rückgrat, der Bauch changiert von Cremeweiß ins Messinggelbe, zum Rücken hin geht die glatte schleimige Haut ins Moosige bis Graugrüne über. Wenn der Weiher was taugt und der Fischbauer sein Geschäft versteht (und da…

Der Blick von innen

Es gibt Orte, da geht niemand gerne hin. Jedenfalls habe ich noch nie von jemanden gehört, der voller Vorfreude seine Tasche mit dem Nötigsten fürs Krankenhaus gepackt hätte. Zwei Tage und Nächte sollten es werden. Zahnbürste, Handtuch, Schlafanzug, ein paar Hausschuhe, ein bisschen Lesematerial – nur das Nötigste nahm ich mit. Und eine Kamera. ,

Fotobuchhorror: Es ist vollbracht

Stellt euch ein müde geröcheltes “Hurra” vor. Mehr brachte ich vorhin nicht mehr über die Lippen, als ich vor ein paar Minuten endlich den Bestellvorgang für das unselige Fotobuch auslöste. Während ich diese Zeilen tippe, quetscht die Bestellsoftware mein 36seitiges Machwerk byteweise durch die schwindsüchtige DSL-Leitung. Die beiden besten Bilder möchte ich euch nicht vorenthalten (Dank an die Fotografin).  Leider waren alle anderen circa 350  Fotos nicht ganz so interessant. Preisfrage: Welches Land, welche Stadt?  Das Land ist, glaube ich, einfach. Aber die Stadt– das könnte ein harter Brocken werden. Unter allen richtigen Einsendungen  (bitte über das Kontaktformular) verlose ich eine gerahmtes Serie der Polaroidfakes aus meiner Treptower-Klause-Reihe. Die Auflösung gibt es am 25. September, Einsendeschluss ist bis irgendwann kurz vorher.

Fotobuchhorror: Erstens dauert es länger…

Ich hatte für heute einen Plan. Schreib doch mal was über über die Software, mit der man Fotobücher gestaltet, dachte ich mir. Zu erzählen gäbe es genug. Zum Beispielüber kostenlose Layoutprogramme, die sich unerwartet schließen, nachdem ich in einem wahren Schaffensrausch 20 Seiten gestaltet hatte. Ohne leider ein einziges Mal abzuspeichern.  Warum hat dieser Müll eigentlich keine Funktion “Automatisch sichern”? über Kundenserver, die sich weigern, die Daten für das fertige Buch trotz korrekter Einstellungen per Upload entgegenzunehmen (“Passwort nicht erkannt”). über rudimentäre Gestaltungsfunktionen, die dich zwingen, alle Boxen auf jeder Seite nach Augenmaß mit der Maus zu positionieren, was vier Mal so lange dauert, als eben eine Zahl einzutippen. über Textboxen, für die leider weder Formatvorlagen noch Trennvorschläge existieren. über den Ärger, wenn man nach zwölf gestalteten Seiten feststellt, dass das Format 20 cm x 20 cm matt sich doch besser für das Projekt eignen würde – d…

Lesetipp: Das Wesen der Fotografie

Über Stephen Shore und seine Bilderwelten stolperte ich das erste Mal, als ich in unserer kleinen Fotogruppe das Foto einer öden Leipziger Landschaft zeigte. S. kratzte sich am Kopf. “Wenn dir so was gefällt, musst du dir Uncommon Places von Shore ansehen”, sagte er und gab es mir zum Durchblättern. Ein gutes Buch.

Weil ich mir aber Namen so furchtbar schlecht merken kann, hatte ich den Autor längst vergessen, als mir Monate später beim Stöbern in der Kunstbuchhandlung um die Ecke The Nature of Photographs in die Hände kam. Nach einmal Durchblättern, und das passiert mir selten, marschierte ich damit zur Kasse.

Das hochwertig gedruckte  und fadengeheftete Werk hat den Untertitel “A Primer”, in der deutschen Übersetzung wurde daraus Das Wesen der Fotografie - Ein Elementarbuch. Im Nachwort erfährt man, dass es aus dem Lehrmaterial für einen Kurs am Bard-College entstand.  Es vermittelt über die Bildanalyse ein elementares Verständnis für die Fotografie. Sanft aber bestimmt führt uns d…

Lieblingskneipe in Pola(d)roid

Wer von euch hat jemals eine Polaroid-Kamera in der Hand gehabt? Ich meine diese Sofortbildknipsen, die in verschiedenen Ausführungen für den Amateurbereich ab 60 Deutsche Mark zu haben waren. Die Kassette mit zehn Bildern kostete um die 20 Mark, eine Menge Geld dafür, dass diese Plastikbomber vor allem Ausschuss produzierten. Die Vignettierung war enorm, der Blitz produzierte einen grauenhaften Hotspot und die vielgelobten Polaroid-Farben fand ich immer etwas surreal. Bevor ich an den Filmen verarmte, beendete ich das Experiment und versuchte mich weiter mit Kleinbild und bisschen Mittelformat.Vor zwei oder drei Jahren endete die Polaroid-Ära, die Filmproduktion wurde eingestellt.  Schuld hatte die Digitalfotografie. Wenn etwas verschwindet (weil es kaum jemand mehr will und sich die Großproduktion deshalb nicht mehr lohnt), wird es gerne zum Kult erklärt und auf die verschiedensten Weisen wiederbelebt. So gibt es inzwischen ein legales Nachahmer-Produkt, das aber auch in Gold aufgew…

Lesetipp: Immer schön von den Meistern klauen

“Wie macht man eigentlich ein gutes Foto?” Eine interessante Frage, wenn man weiß, was “gut” tatsächlich meint.  Gefragt hat das nämlich ein Bekannter, der sich bestens mit den technischen Details der Fotografie – Belichtung,  Farbtreue, Kontrastumfang – auskennt. Seine Bilder sind farblich brillant, die Schärfe ist überragend, dafür sorgt auch seine Digitalkamera, gebaut in Deutschland und ausgestattet mit Kleinbildsensor und Spitzenoptik.  Und dennoch findet er offenbar seine Bilder nicht “gut”. Weshalb also saugt das eine Foto unseren Blick richtiggehend an, während wir ein anderes, vom Motiv durchaus ähnliches, achtlos beiseite legen? Obwohl es uns doch mit leuchtenden Farben und  scharf gezeichnet anstrahlt . Die “richtige” Frage wäre also gewesen: Warum empfinden wir ein Foto als gut – obwohl es möglicherweise sogar unscharf, unterbelichtet oder farbstichig ist?  Dem auf die Spur zu kommen, hilft nur eins: Viele gute Bilder ansehen und darüber reden – und/oder lesen, was kluge M…

Wasserläufer

Berlin, Hermannplatz, ein Julitag des Jahres 2011, mittags: In der einen Hand hielt ich meinen Regenschirm, in der anderen eine Kamera. Ich war auf den Weg, um ein paar Filme zum Entwickeln abzugeben. Ja, Farbfilme vom Kettendrogisten, die Billig-Hausmarke. Einer war noch in der Kamera, der Bildzähler stand auf der 31. Drei Minuten später war der Film voll und ich konnte endlich ins Trockene. Übrigens fiel laut Deutschem Wetterdienst im Juli in Berlin und Brandenburg doppelt bis drei Mal so viel Regen wie normal. Dafür hatten wir endlich richtige Pfützen. Auch gut.



Pentax P30N, 50mm/f2, Farbnegativfilm ISO 200
Gescanntes Negativ

Wälder, Seen und Herr Wichmann von der CDU

Der Urlaub ist vorbei und er war schön. Nicht unbedingt wegen des Wetters.  Denn eine Woche Lychen in der Uckermark hieß diesmal auch dreieinhalb Tage brandenburgischer Landregen. Das bedeutete auch dreieinhalb Tage keine Fotos, denn bei Feuchtigkeit von oben fotografiert es sich nicht schön. Trübes Licht, grauer Himmel, moosige Füße und ständig Tropfen auf der Frontlinse. An dem allgegenwärtigen Gegreine über diesen Sommer, der angeblich keiner sein soll, möchte ich mich dennoch nicht beteiligen. Ich habe in den 80er-Jahren weitaus Schlimmeres erlebt – Juli und August ohne einen einzigen Freibad tauglichen Tag, Pulloverwetter an den Hundstagen, weil sich dieses läppische Azorenhoch nicht mal am Riemen reißen wollte und sich kampflos vom dominanten Islandtiefs (damals noch ohne Eigennamen) unterbuttern ließ. Aber ich schweife ab.

In den trockenen Momenten gab es eine Menge in dem Inselort zu entdecken.  Unter anderem stolperte ich gleich am zweiten Tag über den Helden aus Andreas D…

Handyfoto: Blow Up – Rästelhaftes aus der Insektenwelt

Jetzt ist es also wieder passiert. Als ich mit meinem Handy das Schild fotografierte, interessierte mich nur der abgebildete Spruch. Dann aber war etwas viel Interessanteres zu sehen, das ich beim Knipsen nicht bemerkt hatte. Ein bisschen ging es mir wie dem Fotografen in Michelangelo Antonionis Meisterwerk Blow Up, wenn auch nicht ganz so dramatisch.Als ich das Foto am großen Bildschirm ansah, entdeckte ich zwar keine mutmaßlichen Leichenteile, sondern nur einen dicken braunen Hintern und drei Beine, die gerade im Begriff sind, hinter dem Rahmen zu verschwinden. Doch was war das? Eine Riesenschabe (in Berlin unter freiem Himmel?), eine Grille, der gefräßige Plapperkäfer von Traal (Hilfe, wo ist mein Handtuch?) – Rätsel über Rätsel.Doch im Gegensatz zu Antonionis Helden hatte ich glücklicherweise ein zweites – ansonsten vollkommen verunglücktes – Bild geschossen, auf dem mehr zu sehen ist: Ein großer brauner Laufkäfer, kurz bevor er in Deckung geht. Falls hier Insektenkundige mitlesen…