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Wälder, Seen und Herr Wichmann von der CDU

Der Urlaub ist vorbei und er war schön. Nicht unbedingt wegen des Wetters.  Denn eine Woche Lychen in der Uckermark hieß diesmal auch dreieinhalb Tage brandenburgischer Landregen. Das bedeutete auch dreieinhalb Tage keine Fotos, denn bei Feuchtigkeit von oben fotografiert es sich nicht schön. Trübes Licht, grauer Himmel, moosige Füße und ständig Tropfen auf der Frontlinse. An dem allgegenwärtigen Gegreine über diesen Sommer, der angeblich keiner sein soll, möchte ich mich dennoch nicht beteiligen. Ich habe in den 80er-Jahren weitaus Schlimmeres erlebt – Juli und August ohne einen einzigen Freibad tauglichen Tag, Pulloverwetter an den Hundstagen, weil sich dieses läppische Azorenhoch nicht mal am Riemen reißen wollte und sich kampflos vom dominanten Islandtiefs (damals noch ohne Eigennamen) unterbuttern ließ. Aber ich schweife ab.
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In den trockenen Momenten gab es eine Menge in dem Inselort zu entdecken.  Unter anderem stolperte ich gleich am zweiten Tag über den Helden aus Andreas Dreesens Doku von 2002: Herrn Wichmann von der CDU. Nicht leibhaftig, obwohl eine solche Begegnung in dem Städtchen durchaus nicht unmöglich scheint, sondern in Form seines Konterfeis auf einem Kastenwagen (1/60, f5,6, ISO 100, uninspirierter Schnappschuss, das dritte Foto des Urlaubs) – offensichtlich das Sommertourmobil. Im Alten Kino nebenan gab es Kaffee und Kuchen – und die freundliche Auskunft “Ja, der Henryk ist ein Lychener” auf meine entsprechende Nachfrage. Ist doch schön, wenn man in der Fremde Ferien macht und weiß: Hier wohnt jemand, den ich aus dem Kino kenne.

Dann wurde alles besser

Die Sonne kam heraus, unsere Schuhe trockneten in wenigen Stunden, die Zeitung begann wieder zu knistern und wir wagten eine Dampferfahrt auf den Lychener Seen. Jetzt waren Hut und Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 20 die richtige Wahl. Ideale Lichtverhältnisse für Bilder, die jedem Tankstellenkalender zur Ehre gereichen würden. Polfilterspielereien inklusive.

Die Fotomenge blieb dann doch überschaubar. Eine angenehm wattige Ferienträgheit ergriff mich, ließ die Tage langsam auf der Terrasse unserer Ferienwohnung vertröpfeln. Hinter dem Zaun glucksten sanft die Hühner, an den warmen Abenden brummten dicke Junikäfer zu hunderten im Liebestaumel um die Kiefer und die Eiche auf “unserem” Grundstück, knallten gegen die Dachrinne und taumelten benommen davon. Eine sanft bewaldete Moränenlandschaft öffnete sich hinter dem Haus und in den Senken zwischen den Hügeln lockten Seen und Teiche (ehrlicherweise will ich die Stechmücken nicht unterschlagen).

Essen muss man nicht mitbringen: im Gasthaus am Stadttor verspeisten wir wunderbare gebratene Maränen, beim Fischer gab es sie geräuchert und die Schleie für den Grill war so frisch wie das Wasser der Seen. Es war gut.

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