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Ich geh am Stock

Jetzt nicht mehr, aber die vergangenen Wochen leider allzu oft. Das tägliche Leben gestaltet sich recht mühsam, wenn es ohne Krücken (politisch korrekt auch als “Gehstützen” oder “Stützen” verniedlicht) nicht mehr geht. Jeder alltägliche Fußweg zieht sich auf einmal endlos dahin, die Arme werden schwer, die Hände verschwielen mit erstaunlicher Geschwindigkeit, das Knie am gesunden Bein fängt an zu jammern und überhaupt ist das alles total nervig.

krücken

Getränke kann ich nur in Gefäßen mit Deckel transportieren, ein Einkauf wird zum Problem und Berlin präsentiert sich von seiner barrierefreudigsten Seite. Seit ich die schmierigen Hühnerleitern Treppen des Ostkreuzes bei Nieselregen mit einem Bein bewältigt habe, suche ich im Lokalteil immer nach Meldungen, dass sich dort jemand den Hals gebrochen hat. Bisher Gottseidank ohne Erfolg, aber es soll ja noch zwei bis drei Jährchen weiter gebaut werden. Warum schafft es die Bahn nicht, so etwas wie Behelfsaufzüge einzurichten, wenn sich einer der größten S-Bahn-Umsteigebahnhöfe für fünf bis sechs Jahre im Ausnahmezustand befindet? Menschen mit Kinderwagen, Gehhilfen aller Art, Rollstühlen, Alte, Kranke, Mütter mit kleinen Kindern hätten es ihnen gedankt, bei den immensen Baukosten wäre es eine winzige Ausgabe im Verhältnis zur Gesamtsumme gewesen.

Ostkreuz Berlin Ringbahnsteig 

Der Zebrastreifen an der Hauptstraße vor dem Ostkreuz wurde auch nicht auf die Höhe von Bushaltestelle und Behelfsbrücke zu den Bahnsteigen verlegt. Nur eine weitere Gedankenlosigkeit der BauplanerInnen gegenüber Menschen, die für jede gesparte Wegstrecke dankbar sind – und das nicht aus Faulheit.

So genug gemeckert. Die Krückenzeit ist vorbei, das Ostkreuz ist für mich jetzt nur noch mühselig, nicht mehr lebensgefährlich.

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