Direkt zum Hauptbereich

Mahlzeit!

Ich bin mit gutem Essen aufgewachsen, in einem Dorfgasthaus in Mittelfranken. Meine Mutter und meine Oma machten die Küche, sehr traditionell und schweinern deftig. Schäufele, Rouladen, Fleischküchle und Hackbraten gab es, saure Innereien und im Herbst wurden hunderte Karpfen frittiert und verspeist. In riesigen Töpfen wallten die Klöße – rohe und solche aus Semmeln, Sauerkraut köchelte auf dem heißen Herd und goldgelber Kartoffelsalat wartete darauf, Schnitzeln und Rippchen als Beilage dienen zu dürfen. Fast alles wurde frisch zu bereitet, sogar die Kuchen wurden selbst gebacken.Hähnchen mit Kartoffelwedges
Das Gasthaus selbst war sehr alt, 18. Jahrhundert, genaues Baujahr unbekannt. Der Kartoffelkeller hatte teilweise noch einem Boden aus gestampften Lehm, ein riesiger uralter Spülstein und alte rote Kacheln in der Küche würden heutige Hygienefander erblassen lassen. In der Gaststube mit ihren Holzbänken drängten sich die Mittagsgäste an Resopal-Tischen. Zur Mahlzeit tranken sie Bier oder Spezi, das mein Opa an der Theke aus Cola und Orangelimo selbst mixte. Danach blieben die meisten noch auf eine Verdauungszigarette sitzen und schlürften Kaffee, dem meine Oma mit einem edelstahlglänzenden zylindrischen Ungetüm, das laut fauchte und blubberte, frisch aufbrühte und servierte. Unser Gasthaus war so etwas wie die Kantine des Dorfes.
Moderne Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegungen sollten sich von der alten Gasthauskultur eine Scheibe abschneiden. Finde ich. Weniger Edelstahl und PVC, mehr frisches, liebevoll zubereitetes Essen, mehr Sinnlichkeit und Genussfreude, mehr Zeit und mehr Geld für die Zutaten, das wünsche ich mir. Guten Appetit.
Samsung EX1, ohne Blitz, ISO 100-400

Beliebte Posts aus diesem Blog

Heiße Liebe in Schwarz nach enttäuschter Beziehung

Es gab schon einige in meinem Leben. Kantige, Zickige, Schmiegsame, Unauffällige, Laute, Professionelle und welche mehr zum Spielen, denn zum ernsthaften Arbeiten. Ich rede hier von Fotoapparaten – und wer schon einmal ernsthaft über einen längeren Zeitraum fotografiert hat, wird mir womöglich zustimmen, dass sich zwischen dem Apparat und dem fotografierenden Menschen mit der Zeit eine gewisse (haptische) Beziehung aufbaut.

Mich hat es im vergangenen Sommer schwer erwischt. Brennende Leidenschaft, große Liebe, nach vielen müden Kompromissen. Inzwischen verstehe ich den Enthusiasmus der Leicafans. Es ist wohl diese Kombination aus Wertigkeit und Reduktion auf das Wesentliche: Eine Maschine zum Bilder festhalten, ohne Kompromisse und Schnickschnack, mit sündteuren, aber auch sehr guten Optiken. Doch bei mir ist es die Ricoh, die mich zum Fanboy machte.


Von der Samsung EX1 zur Ricoh GR II Müde von den Unzulänglichkeiten meiner Samsung EX1, machte ich mich auf die Suche nach Ersatz für d…

Mittelalterliches Bilderrätsel: Wer ist der Reiter der Apokalypse?

An Gästebüchern von Museen und Ausstellungen kann ich einfach nicht vorbeigehen, ohne wenigstens ein bisschen darin zu blättern. Diese Schwarten sind so was wie das Äquivalent  der Kommentarfunktion in Blogs: jeder kann unerkannt und unzensiert seine Meinung abgeben. Alles ist vertreten: Allgemeinplätze, fachkundiges Lob, provokatives Getrolle, hirnbefreites Gemotze, freundliche Bemerkungen.

Gerne in Domen zu finden: Bildergeschichten von Mord und Totschlag. Die Auflösung gibt es weiter unten.

Letzthin las ich im Gästebuch an der Pforte des Doms zu Brandenburg an der Havel folgenden Eintrag, vermutlich von einem Kind:
Ich fand es langweilig. Dome finde ich im Allgemeinen nicht so interessant. Da scheint jemand nicht von der allgemeinen Mittelalterbegeisterung infiziert worden zu sein. Aber es stimmt schon. So ein Dom ist objektiv betrachtet auf den ersten Blick nicht viel mehr als ein riesiger Steinhaufen mit Fenstern, Säulen, Pfeilern. Schlecht beleuchtet und miserabel beheizt sind …

Helgoland: Bombentrichter, Kegelrobben und ganz viel Ruhe

Moin, moin. Heute gibt es ein paar Postkartenfotos von Helgoland. Frisch gemacht und gepostet, während ich hier noch auf der Insel sitze und gerade den Blick von Bild Nummer 4 von meinem Schreibplatz aus sehe. Bis Freitag bin ich noch auf dem Wind umtosten Nordsee-Inselchen und  genieße die dörfliche Ruhe und Abgeschiedenheit. Und das Meerwasserschwimmbad, in dem man auch im Februar im Außenbecken im gut geheizten Wasser seine Bahnen zieht. Nur am Kopf kann es um die Jahreszeit ein bisschen kühl werden. 
Bemerkenswert finde ich das reichliche Angebot an geistigen Getränken aller Couleur und Preisklassen, die hier in zahlreichen Schnapsläden angeboten werden. Denn aus irgendwelchen historischen Gründen wird das Zeug auf Helgoland ohne Mehrwertsteuer und Zollgebühren angeboten und ist dementsprechend billig.Zur Insel will ich jetzt gar nicht viel mehr schreiben: dazu gibt es reichlich Infos auch im diesem unseren Internet, aber die bewegte Geschichte hat hier eine Menge Spuren hinterlas…