Direkt zum Hauptbereich

Wo, wo bist du?

FilmSymbolfoto. Dieser Film ist natürlich noch da.

Nun ist es passiert. Ein belichteter Film ist verloren gegangen, das erste Mal seit ich fotografiere. Abgegeben hatte ich ihn in der letzten Woche des vergangenen Jahres, er verschwand auf dem Weg zwischen Labor und Drogeriekette. Ich frage mich, ob dieser Verlust zum Menetekel für dieses 2012 werden könnte. Das neue Jahr begann nicht gut, ein paar unschöne Dinge passierten. Sie forderten einen Großteil meiner Aufmerksamkeit und fraßen meine Energie. Den Film vergaß ich darüber.

Vor ein paar Tagen fiel mir der Abholschein wieder in die Finger, erwartungsvoll durchsuchte ich in der Drogerie die Fächer mit den entwickelten Filmen. Nichts. Meine Negative waren nicht da. Der junge Angestellte aus der Fotoabteilung guckte ratlos, wühlte ebenfalls, fand nichts, telefonierte mit dem Labor. Dann die Info: der Film sei unentwickelt zurückgesendet worden, weil ich “falsch” bestellt hätte. Die gewünschte Entwicklung ohne Abzüge sei nicht möglich. Das Labor schickte also den Film unbearbeitet zurück. Angeblich. Er ist also weg und mit ihm 36 Berliner Augenblicke, die ich mit meiner analogen Pentax eingefangen hatte.

Heute  wurde mein Suchauftrag per Brief bestätigt. “Bitte haben Sie etwas Geduld, da wir für die Nachforschungen etwas Zeit benötigen”. Ich sag schon mal Tschüss. 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Fotospielereien mit Cyanotypie

Letzthin machte mich ein SpOn-Artikel zu “ifon-Fotos im Blaudruck” auf die Cyanotypie aufmerksam.. Die Ergebnisse sahen interessant aus – allein durch die außergewöhnliche Struktur und Farbe. Natürlich funktioniert Cyanotypie auch ohne ifon. Man kann die Negativ-Vorlagen aus jedem beliebigen Digitalfoto erzeugen. Wer (noch) eine Dunkelkammer hat und gerne mit noch mehr Chemikalien panscht, kann auch aus jedem beliebigen Negativ tolle Vorlagen vergrößern.
Die Verweise im SpOn-Artikel aber kann man ignorieren, im Internet sind umfangreiche und gute Anleitungen frei verfügbar. Nachdem ich wusste, was ich brauche, klickte ich mich erst Mal durch die Onlineshops verschiedener Chemikalien-Lieferanten auf der Suche nach Ammoniumeisen(III)-Citrat und Kaliumhexacyanoferrat(III), kurz Kaliumferricyanid oder Rotes Blutlaugensalz. Diese beiden Eisensalze sind der Ausgangsstoff für eine lichtempfindliche Lösung, mit der sich beliebige saugfähige Untergründe beschichten lassen. Unter UV-Licht wand…

Heiße Liebe in Schwarz nach enttäuschter Beziehung

Es gab schon einige in meinem Leben. Kantige, Zickige, Schmiegsame, Unauffällige, Laute, Professionelle und welche mehr zum Spielen, denn zum ernsthaften Arbeiten. Ich rede hier von Fotoapparaten – und wer schon einmal ernsthaft über einen längeren Zeitraum fotografiert hat, wird mir womöglich zustimmen, dass sich zwischen dem Apparat und dem fotografierenden Menschen mit der Zeit eine gewisse (haptische) Beziehung aufbaut.

Mich hat es im vergangenen Sommer schwer erwischt. Brennende Leidenschaft, große Liebe, nach vielen müden Kompromissen. Inzwischen verstehe ich den Enthusiasmus der Leicafans. Es ist wohl diese Kombination aus Wertigkeit und Reduktion auf das Wesentliche: Eine Maschine zum Bilder festhalten, ohne Kompromisse und Schnickschnack, mit sündteuren, aber auch sehr guten Optiken. Doch bei mir ist es die Ricoh, die mich zum Fanboy machte.


Von der Samsung EX1 zur Ricoh GR II Müde von den Unzulänglichkeiten meiner Samsung EX1, machte ich mich auf die Suche nach Ersatz für d…

Karpfenreportage: Des Franken liebsten Fisch auf der Spur

Manche Fotomotive lassen mich einfach nicht los.

Der fränkische Spiegelkarpfen zum Beispiel fasziniert mich seit meiner Kindheit. Aufgewachsen in einer Gastwirtschaft, wurde ich als kleiner Junge jeden Herbst Zeuge eines wahrhaft gargantuischen Ereignisses – der "Fischpartie" im Gasthaus Bräustübl in einer kleinen fränkischen Marktgemeinde. 250 bis 300 Karpfen von je rund 1,5 kg Gewicht verkaufte meine Großmutter, die legendäre Grete Süß, in halben Portionen innerhalb von 4 Tagen an die hungrigen Gäste.



Ein goldgrüner Karpfen nach dem anderen wurde geschlachtet  Das Bild der Metzgers, der die lebenden Fische in dieser Zeit schlachtete und für die Küche vorbereitete, werde ich nie vergessen. Das stand dieser mächtige, fast zahnlose Mann mit weißer Schürze und blaugestreifer Arbeitskleidung in der Waschküche, die als Schlachthaus diente. Mit präzisen Handgriffen holte er einen goldgrün schimmernden Spiegelkarpfen nach dem anderen aus einer riesigen Zinkwanne, betäubte die zapp…