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Es werden Posts vom April, 2012 angezeigt.

Das ist kein Frühlingsbild (oder doch?)

Es ist ja Frühling zurzeit. Die Zeit der Blumen, des Blühens, des blauen Himmels.  Menschen schmeißen die Oberbekleidung und die langen Hosen in die Ecke, egal wie aprilfrisch der Wind noch um die Ecke pustet. Das Tattoo muss ans Licht, hat schließlich eine ordentliche Stange Geld gekostet, muss sich rentieren. Und so traben sie wieder in Unterwäsche durch die Straßen Berlins, die winterblasse Haut blitzt in der Sonne, als hätte der Klimawandel die Stadt bereits Richtung tropische Zone verschoben. Das ist jedoch mitnichten der Fall. Am 22. April verzeichnete die Tempelhofer Wetterstation der FU Berlin knapp 14 Grad Celsius Höchsttemperatur – am frühen Nachmittag wohlgemerkt, wenn die Sonne am höchsten steht. Von der Wohlfühltemperatur ist das weit entfernt, nach einem langen Sonntagsgewaltmarsch durch den Britzer Garten brauchte ich erstmal ein heißes Getränk. Aber kommende Woche startet der Wonnemonat Mai und bekanntlich wird dann alles besser.Beim Sonntagsspaziergang in Britz kamen …

Mittelalterliches Bilderrätsel: Wer ist der Reiter der Apokalypse?

An Gästebüchern von Museen und Ausstellungen kann ich einfach nicht vorbeigehen, ohne wenigstens ein bisschen darin zu blättern. Diese Schwarten sind so was wie das Äquivalent  der Kommentarfunktion in Blogs: jeder kann unerkannt und unzensiert seine Meinung abgeben. Alles ist vertreten: Allgemeinplätze, fachkundiges Lob, provokatives Getrolle, hirnbefreites Gemotze, freundliche Bemerkungen.

Gerne in Domen zu finden: Bildergeschichten von Mord und Totschlag. Die Auflösung gibt es weiter unten.

Letzthin las ich im Gästebuch an der Pforte des Doms zu Brandenburg an der Havel folgenden Eintrag, vermutlich von einem Kind:
Ich fand es langweilig. Dome finde ich im Allgemeinen nicht so interessant. Da scheint jemand nicht von der allgemeinen Mittelalterbegeisterung infiziert worden zu sein. Aber es stimmt schon. So ein Dom ist objektiv betrachtet auf den ersten Blick nicht viel mehr als ein riesiger Steinhaufen mit Fenstern, Säulen, Pfeilern. Schlecht beleuchtet und miserabel beheizt sind …

Der Teufel steckt doch immer im Detail

Das Böse lauert immer und überall – und so alt wie die Erkenntnis, dass es “das Böse” gibt, so lange beschäftigt sich die Menschheit mit der Frage nach der Quelle allen Übels. Diese Woche hatte sich Deutschlandradio Kultur mit einer Reihe von Beiträgen auf die Suche nach stichhaltigen Erklärungen gemacht. Wie nicht anders zu erwarten, kamen auch die ganzen Fachleute zu keinem eindeutigen rationalen Ergebnis.



Das Christentum hat dieses Problem dagegen schon vor fast 2000 Jahren gelöst und konnte dabei auf solide Vorarbeit des alten Testaments aufbauen. Satan ist die Ursache für Tod, Elend, Krieg, Hartz IV, Schwiegermütter und was es sonst noch so für Ungemütlichkeiten auf dieser Erde gibt. Der gefallene Engel ist das personifizierte Böse und immer taucht das gehörnte Scheusal dort auf, wo das unschuldige Menschlein es am wenigsten erwartet. Seit dem Mittelalter finden wir den Beelzebub in den verschiedensten Bildwerken und bisweilen versteckt er sich auch in Vexierbildern, die für…

Die Bildungsrepublik Deutschland

Es war einmal ein staatliches bayerisches Gymnasium in einer fränkischen Stadt in den 80er-Jahren. Nicht alles dort war Zucker. Denn schon vor dreißig Jahren war die Stadt fürs Gebäude und den laufenden Betrieb zuständig, und seit jeher plagen diese Kommune heftige Geldsorgen. Stand und steht sie doch immer ein wenig im Schatten der großen und bekannteren Lebkuchen- und Bratwurstmetropole.

So gehörte auch ich zu denen, die wegen chronischen Raummangels in provisorischen Containerschulzimmern mit undichten Flachdächern unterrichtet wurden. Schülerbetreuung kannte man noch nicht und selbst Aufenthaltsräume für die Zeit zwischen den Stunden fehlten. Aber der Lehrbetrieb lief, das Haus selbst war einigermaßen in Schuss. Dafür sorgten auch der Hausmeister und seine zwei schratigen Gehilfen. Wenn ein Wasserhahn tropfte, kam einer der drei mit dem Werkzeugkasten und tauschte die kaputte Dichtung aus. Abends wischte eine Putztruppe durch Klassenzimmer und Toiletten. Und für den modernen Unter…

Fünf Euro Entschädigung für Ihre persönlichen Erinnerungen

Fast ein Vierteljahr hat es gedauert, nun ist es traurige Gewissheit: Mein Film, den ich Ende 2011 im Drogeriemarkt zum Entwickeln gegeben hatte, bleibt verschwunden. Nach zwei brieflichen Statusmeldungen (“Wir suchen weiter!") kam jetzt die endgültige Nachricht:“Wir haben alle unsere Möglichkeiten ausgeschöpft und müssen die Suche nun aufgeben … Die Tragik dieser Information ist uns durchaus bewusst.”Ja, tragisch. 36 Bilder, die nun nie das Licht der Welt erblicken werden. 36 x Berlin, der Versuch, bestimmte Szenerien in immer ähnlicher Weise abzubilden. Ein Miniprojekt, das zwar die Welt nicht braucht, aber dessen Ergebnis mich sehr interessiert hätte. Es hat doch seinen Reiz, eine Idee mit einem einzigen Film und einer 28mm-Festbrennweite umzusetzen, wenn in der Fotowelt mittlerweile die 8-GByte-SD-Karte und das Zoom mit 24-90 mm-KB-Äquivalent normal sind. Die nächsten Filme sind in Arbeit; entwickeln lassen werde ich sie aber woanders, auch wenn man mich gerne als Kunden beha…