Direkt zum Hauptbereich

Fünf Euro Entschädigung für Ihre persönlichen Erinnerungen

Fast ein Vierteljahr hat es gedauert, nun ist es traurige Gewissheit: Mein Film, den ich Ende 2011 im Drogeriemarkt zum Entwickeln gegeben hatte, bleibt verschwunden. Nach zwei brieflichen Statusmeldungen (“Wir suchen weiter!") kam jetzt die endgültige Nachricht:

“Wir haben alle unsere Möglichkeiten ausgeschöpft und müssen die Suche nun aufgeben … Die Tragik dieser Information ist uns durchaus bewusst.”

Ja, tragisch. 36 Bilder, die nun nie das Licht der Welt erblicken werden. 36 x Berlin, der Versuch, bestimmte Szenerien in immer ähnlicher Weise abzubilden. Ein Miniprojekt, das zwar die Welt nicht braucht, aber dessen Ergebnis mich sehr interessiert hätte. Es hat doch seinen Reiz, eine Idee mit einem einzigen Film und einer 28mm-Festbrennweite umzusetzen, wenn in der Fotowelt mittlerweile die 8-GByte-SD-Karte und das Zoom mit 24-90 mm-KB-Äquivalent normal sind. Die nächsten Filme sind in Arbeit; entwickeln lassen werde ich sie aber woanders, auch wenn man mich gerne als Kunden behalten möchte:

“Wir senden Ihnen einen Ersatz zu, indem (sic!) Bewusstsein, dass wir durch nichts den ideelen (sic!) Wert ersetzen können. Aber wir hoffen, sie hiermit ein klein wenig entschädigen zu können.”

“Ein klein wenig” – das trifft es tatsächlich: Dem Schreiben lag ein Gutschein über fünf(!) Euro bei, einlösbar für “ein Cewe-Fotobuch oder ein anderes Produkt”. Vielen Dank dann auch. Ein Pack Ersatzfilme wäre mir lieber gewesen, die könnte ich wenigstens woanders entwickeln lassen. Das war’s dann erst Mal, Leute.

Kommentare

  1. Sei mir nicht böse, aber es gibt da diesen Spruch, der für mich sehr viel Wahrheit enthält: "wer nur mit Peanuts bezahlt, muß sich nicht wundern, wenn er nur von Affen bedient wird."

    Vielleicht ist das die logische Konsequenz der Kombination aus Preiskampf, fachfremdem Dromarkt und unwiederbringlichen Momenten.

    Das macht Deinen Verlust natürlich kein bißchen weniger tragisch und eigentlich bin ich mir sogar sicher, daß Du diesen Blogeintrag unter anderem geschrieben hast, um genau diese Botschaft zu transportieren.

    Bloß wo findet man noch ein Photolabor, das vor Ort einen Kleinbildfilm entwickelt, statt das Ding zu irgendeinem anonymen Großdienstleister zu schicken?

    Insofern, wirklich schade um die Bilder, ich war nach Deiner ersten Erwähnung des Projekts wirklich gespannt. Und diese "wir ersetzen Ihnen beim eventuellen Verlust des Films nur den Film"-Klausel der Großlabors hat mir schon in den 80ern den Angstschweiß auf die Stirn getrieben.

    Drück Dir die Daumen für den nächsten Film!

    Jo.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. So isses, die meisten Filme landen in einer Handvoll Großlabors. Selbst so urige Läden wie Foto Br. am Hermannplatz geben die Bilder zum marktbeherrschenden Großlabor. Gibt es eigentlich noch Läden mit 1h-Entwicklung in Berlin? Das wäre vielleicht eine Alternative. Aber wer weiß, wie dann die Qualität ist... Andererseits: Dia ließ man früher auch nur im Fachlabor entwickeln: bei meinen Kodak/Fujifilmen war das immer mit im Preis drin, verschwunden ist da nie ein Film.

      Ich habe den Verdacht, dass weniger das Labor, mehr die Fotoabteilung vom Drogeriemarkt das Problem ist. Da liegen die Tüten mit den Filmen offen in Ständern; jeder kann reingreifen; vielleicht ist es einfach da verschwunden.

      Es gibt aber in Berlin noch Läden wie Viertel vor 8 in der Pappelallee. Da kann man seine Filme für 4,60 Euro vor Ort entwickeln lassen. Ist halt ein weiter Weg - und bei dem Verlust bin ich wohl weniger Opfer meines Geizes als vielmehr meiner Bequemlichkeit geworden.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gesehen & gekauft: Street Photography Now

Mit dem Fotografieren ist es wie mit Fußball, Schreiben, Singen, Tanzen oder einer anderen beliebigen schöpferischen Tätigkeit: Die Ergebnisse werden umso besser, je häufiger man/frau es tut. Oder altdeutsch ausgedrückt: Übung macht die MeisterIn.
Das gilt natürlich auch für die Straßenfotografie, dieses traditionsreiche Feld der Lichtbildnerei mit legendären Vertretern wie Henri Cartier-Bresson und Robert Frank. Doch wie nähert man sich dem Genre Street Photographie, wie fängt man an? Gehe ich einfach raus auf die Straße und schieße dort Leute mit dem Teleobjektiv ab, oder halte ich die Kamera wahllos in x-beliebige Szenen? Natürlich könnte man es machen, wie uns der Schweizer Thomas Leuthard in seinem eBook Collecting Souls rät:
Don’t study the work from the old masters, don’t go into exhibitions and don’t read about photography just go out and shoot in the streets. Nur nicht zu viel lesen und angucken vorher, einfach nur machen, meint er. Das ist natürlich Unsinn und das weiß verm…

Unleserlich: Das Ebook und die PDF-Pest

Ich versuche gerade die Programmiersprache Python zu lernen und kaufte mir  dafür ein Buch aus einem bekannten Wissenschaftsverlag.  Der Verlag ist so nett und bietet zusätzlich zum Papierbuch kostenlos die Ebook-Variante an, die es gegen einen im Buch abgedruckten Promocode im Onlineshop zum Download gibt. 
Dieses Angebot nahm ich gerne in Anspruch, denn ich habe einen Tolino-Reader, den ich für unterwegs in der Bahn oder im Bus oft mitnehme. Für Texte im EPUB- oder Text-Format ist er sehr gut geeignet, weniger gut gelöst ist allerdings die PDF-Darstellung. Wenn das PDF vom Layout nicht auf das Readerformat angepasst ist, wird das Lesen zur Qual. Das sollte sich jetzt rächen.

Auf meinem Tolino öffnete sich nach dem Download des Python3-Buches leider das Print-PDF: Die Schrift winzigklein, die farbigen Auszeichnungen ein grauer Einheitsbrei. Was in einem relativ großformatigen Buch gedruckt wunderbar funktioniert, das ist am Ebookreader nur noch Augenpulver. Wäre das Buch keine kostenl…

NaPoBloMo Folge 17-20: Ein Ausflug nach Leipzig. Oder nach „Hypezig“?

Es waren dreizehn Jahre, die ich in Leipzig gelebt habe. Es war eine wunderbare Zeit, vor allem am Anfang, 1994, bis in die frühen Nullerjahre. Eine Stadt, in der so viel passierte, obwohl oder gerade weil sie so kaputt war.

Dann, fast unmerklich passierte es, schien die Luft raus diesem wilden Pleiße-Ort, Müdigkeit schlich sich ein. Vielleicht lag es auch daran, dass mein Studium vorbei war, fast alle lieben, coolen, spannenden, anregenden Menschen, die Leipzig während unseres Studiums mit zu diesem prickelnden Ort gemacht hatten, weg waren. Das Studium beendet, in die Welt aufgebrochen, um zu arbeiten, weiter zu studieren, zu verschwinden, irgendwo zu heiraten und Kinder zu kriegen, in Dresden zu stranden, was auch immer. Dann ging ich auch fort, um aber etwa einmal im Jahr aus Beingründen vorbeizuschauen und so konnte ich dem alten Leipzig zusehen, wie es sich herausputzte, im Zeitraffer quasi.


Manche Sachen bekommt man aber doch nicht mit. So hörte ich vergangenes Jahr, es hieße…