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Es werden Posts vom Juli, 2012 angezeigt.

Gesehen & gekauft: Street Photography Now

Mit dem Fotografieren ist es wie mit Fußball, Schreiben, Singen, Tanzen oder einer anderen beliebigen schöpferischen Tätigkeit: Die Ergebnisse werden umso besser, je häufiger man/frau es tut. Oder altdeutsch ausgedrückt: Übung macht die MeisterIn.
Das gilt natürlich auch für die Straßenfotografie, dieses traditionsreiche Feld der Lichtbildnerei mit legendären Vertretern wie Henri Cartier-Bresson und Robert Frank. Doch wie nähert man sich dem Genre Street Photographie, wie fängt man an? Gehe ich einfach raus auf die Straße und schieße dort Leute mit dem Teleobjektiv ab, oder halte ich die Kamera wahllos in x-beliebige Szenen? Natürlich könnte man es machen, wie uns der Schweizer Thomas Leuthard in seinem eBook Collecting Souls rät:
Don’t study the work from the old masters, don’t go into exhibitions and don’t read about photography just go out and shoot in the streets. Nur nicht zu viel lesen und angucken vorher, einfach nur machen, meint er. Das ist natürlich Unsinn und das weiß verm…

Fräsen, feilen, gipsen

Vor zehn Monaten bekam ich eine neue Beinprothese. Im Prinzip eine wunderbare Sache, auch wenn so eine Anpassung ein meist länger währender Prozess ist. Zwischen der Genehmigung durch die Krankenkasse und der Endabnahme der fertigen Prothese liegen in der Regel mehrere Wochen. Ursprünglich wollte ich den ganzen Vorgang diesmal mit der Kamera dokumentieren und hier als Fotoreportage zeigen. Denn da wird vermessen und gegipst, gegossen, vakuumiert, die Statik ausbalanciert, ein Computergelenk programmiert, geschraubt, testweise gelaufen, wieder geschraubt. Dann kommt die Hauptanprobe und danach die Endmontage. Und das machen alles unheimlich nette und engagierte Fachleute. Wenn das Ersatzbein dann fertig ist, muss immer nochmal hier und da gefeilt, geschliffen und nachgearbeitet werden. Solange bis nichts mehr kneift, reibt, drückt. Eine tolles Projektthema, wie ich finde.Leider ging mir die Lust an diesem Fotoprojekt ziemlich schnell verloren. Denn der Anpassungsprozess zog sich diesma…

Der unscharfe Blick

An der Uni hatte ich einen Kommilitonen, der allmählich erblindete. Wenn er mich an der Stimme erkannte, stürmte er auf mich zu und starrte mir aus wenigen Zentimetern Abstand mit seinen unsicheren Augen ins Gesicht. Selbst dann war er sich offenbar nie ganz sicher und fragte nochmal nach, ob ich es auch wirklich sei. Schrieb er am Computer, vergrößerte er die Buchstaben, bis kaum mehr als ein Wort in die Bildschirmzeile passte. Sein Berufswunsch: Kameramann.

Natürlich machten sich viele darüber lustig; auch ich fand die Idee absurd, wenn ich Jürgen, so hieß er, mit seiner Videokamera hantieren sah. Wie sollte das gehen, wenn jemand die Welt nur als ein zerfaserndes Durcheinander von Farben und Flächen, Hell und Dunkel wahrnehmen konnte? So ähnlich geht es nämlich mir, wenn ich meine Brille abnehme und die harten Konturen, die Linien, Kanten, die Details mit einem Mal verschwinden – bis auf die Dinge direkt vor meiner Nase. Heute würde ich Jürgen einfach bitten, mir einen seiner Fil…