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Es werden Posts vom 2013 angezeigt.

12tel Blick im Dezember: Das Finale

Hallohallohallo, bin wieder da. Nach vier Wochen Landverschickung mit Blick auf den Wendelstein hat mich Berlin erneut gnädig aufgenommen. Mein Netbook war mit nach Oberbayern gereist, meine kleine Samsung-Knipse hatte ich auch im Gepäck und tatsächlich machte ich auch ein paar Bilder: Ein bisschen Moor, ein bisschen Gamsbraten mit Knödeln, ein bisschen Kurarchitektur aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nichts Weltbewegendes. Daran, ans Alltägliche, schließe ich mit diesem 12tel Blick an, der wie immer “mein” vollkommen unspektakuläres Bushäuschen der Linie 194 in Berlin-Treptow zeigt. Heute, am ersten Nachweihnachtstag, schauen wir gemeinsam und zum ersten und letzten Mal mit einer Unbekannten über die Straße.. Es hat sich in einem Jahr ordentlich was getan in diesem kleinen Ausschnitt der Welt. Wo im Januar noch Absperrgitter, Schutt und Rohbau die Szene beherrschten, ist heute ein aufgeräumtes Stück Straße zu sehen. Ganz unberlinerisch sauber und unbeschädigt. Krönender Ab…

12tel-Blick November: Da möchte man nicht mehr vor die Türe

Ha, gestern war ein Novembertag wie aus dem Bilderbuch: Dicke Wolken, ab und zu ein fieser Regenguss, ein kalter Wind riss die letzten Blätter von den Bäumen und schnitt durch meinen Mantel. Nach einer guten halben Stunde packte ich mit klammen Fingern Stativ und Kamera ein und floh ins nächste Kaffee, um mich dort mit einem heißen Espresso wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Den Regenschirm brauchte ich glücklicherweise nicht und meiner Pentax macht ein wenig Getröpfel und Geniesel auch nichts aus. Diesmal blieb niemand stehen, um ein bisschen fachzusimpeln oder Hasskommentare abzulassen oder einfach nur ein wenig über den Kiez und das Leben und so zu plaudern. Kein Wetter zum Verweilen. Nein, wirklich nicht. Deshalb mache ich mich jetzt auch mal vom Acker, verlasse Berlin für ein paar Wochen Richtung (deutschem) Süden. Energie tanken, müde Knochen und Muskeln aktivieren, zur Besinnung kommen, Hirnwindungen wieder in Form legen. Dann reicht es hoffentlich an dieser Stelle wiede…

12tel Blick: Oh, güldener Oktober

Ich neige zugegebenermaßen bisweilen zu einer gewissen Blumigkeit im Ausdruck und manchmal sogar zu poetischen Anfällen. Berüchtigt sind meine Stegreifgedichte, die ich jedoch nach der Rezitation sofort dem Vergessen anheim fallen lasse, weil ich sie eben nur aufsage, aber nie aufschreibe. Manche behaupten, das sei gut so. Da meine Dichtkunst also offensichtlich nicht generell Freunde findet, verzichte ich hier auf die kleine Herbstode, die mir gerade just in diesem Moment einfiel und ich belasse es bei der Poeterey im Titel. Um zum eigentlichen Thema zu kommen: Es ist Herbst, der Oktober droht in den grauen garstigen November überzugehen und ich habe wieder auf den Auslöser für den 12tel Blick gedrückt.Die großen Ereignisse haben wir wohl hinter uns, jetzt zieht die Routine ein. Das Haus ist fertig gebaut, die Wohnungen zur Straße sind bezogen. Im Altbau daneben scheint die weiße Gießkanne seit Monaten festgewachsen zu sein. Unverdrossen trotzt der Kirschbaum dem Ende der Vegetations…

Frankenreise zwischen Natur und Rembrandt

Nur mit kleinem Fotogepäck war ich dieser Tage unterwegs in der alten Heimat. Eigentlich wollte ich dort auch an meinem Dorf-Projekt weiterarbeiten. Doch es regnete fast unentwegt, alles war in eine deprimierende Farblosigkeit getaucht. Nur an unserem Ankunftstag riss der Himmel für ein paar Stunden auf und wir sahen endlich nach Tagen voller Wolken und Grau wieder die Sonne, die dem frisch geeggten Acker seine scharfe Konturen gab.Im Abendlicht tanzten die Mücken am Waldrand. Auf der Wiese dahinter waren es so viele, dass sie an Schneegestöber erinnerten. Doch das Gegenlicht war so hart, dass mein Versuch, das Gewimmel fotografisch einzufangen, leider nur recht unbefriedigende Ergebnisse gab. Lange vermisst hatte ich als Stadtbewohner die Weite, die in Berlin an so wenigen Orten – wie dem Tempelhofer Feld – zu finden ist.  Wenn der Horizont weit weg ist und der Blick ohne Widerstand kilometerweit in die Ferne streifen kann, über Äcker und Wälder und Streuobstwiesen.Leider war es das …

12tel Blick im September: Wahltag

Ja, ja, der Wahltag. Ich sollte nicht darüber schreiben. Politik ist bekanntlich Gift fürs Blog. Schreibst du über Politik, zucken alle zusammen und gucken betreten zu Boden. Oder, noch schlimmer, sie fangen verstohlen an zu gähnen, der Blick wandert ins Leere und schon ist sie/er weg, das scheue Reh von Leser/in. Deshalb lasse ich es bleiben. Was mir nicht schwer fällt. Denn das Einzige, was dieses Bild mit der Bundestagswahl zu tun hat: es entstand gestern, am diesem Sonntag, an dem die FDP aus dem Bundestag flog, Angela Merkel Stimmen ohne Ende einsackte, die Grünen und Linke eine Menge Wähler verloren und die SPD ein paar Prozentpunkte dazu gewann. Dem Bushäuschen war das alles egal. Es wartete weiter geduldig darauf, wieder in Betrieb genommen zu werden.Vielleicht lag es am Wahltag, dass die Leute so unlustig vorbeischlichen. Niemand mit Ball, Flasche oder Hund. Kein Gänsemarsch. Der ist auch nicht mehr nötig, denn der Gehweg ist wieder gepflastert, die Baustellensicherung fast k…

Das unsichtbare Flugzeug

Ich war dieser Tage wieder zu Besuch in meinem geliebten Leipzig. Und auf einmal, auf dem Weg vom Mittagessen zur Straßenbahn, hörte ich dieses charakteristische Geräusch, wenn jemand auf Pflaster Fußball spielt. Ich blickte um die Ecke und sah die Jungs dem Ball nachjagen. Und über allem schwebte dieses Flugzeug, das niemand beachtete. Auch ich hatte es irgendwann nicht mehr wahrgenommen, obwohl oder weil ich eine Zeitlang fast täglich an dieser Ecke vorbei ging. Und jetzt, Jahre später, war der Flieger auf einmal wieder für mich da. Einer der Jungs kam mir nach und fragte mich, was ich da eigentlich fotografiert hätte. Und als ich sagte, das Flugzeug, da starrte er mich verständnislos an, als wüsste er nicht, welches ich denn meinte. Wahrscheinlich konnten nur meine Kamera und ich es sehen.

12tel Blick: Das Licht des Spätsommers

Kann das sein, dass der Sommer schon wieder fast zu Ende ist? Die Mittagssonne ist noch warm. Doch das Licht leuchtet schon gelblich, um 12 Uhr werfen die Stuckverzierungen der Fassade schräge Schatten. Der Kirschbaum zeigt sein Spätsommergrün. Etwas müde sieht er schon aus. Das Plakat am Zaun vor dem Bushäuschen kündigt ein Sommerfest an, längst vergangen wie die tropischen Nächte vor dem Café. Vor drei Wochen wurden die Einbauküchen für das neue Haus geliefert. Bald kommen die Möbelwagen der neuen Bewohner. Ein Bild für Tabeas 12tel Blick-Projekt. Alle Heimatfoto-Blicke gibt es hier unter dem Tag 12tel Blick.

Fotospielereien mit Cyanotypie

Letzthin machte mich ein SpOn-Artikel zu “ifon-Fotos im Blaudruck” auf die Cyanotypie aufmerksam.. Die Ergebnisse sahen interessant aus – allein durch die außergewöhnliche Struktur und Farbe. Natürlich funktioniert Cyanotypie auch ohne ifon. Man kann die Negativ-Vorlagen aus jedem beliebigen Digitalfoto erzeugen. Wer (noch) eine Dunkelkammer hat und gerne mit noch mehr Chemikalien panscht, kann auch aus jedem beliebigen Negativ tolle Vorlagen vergrößern.Die Verweise im SpOn-Artikel aber kann man ignorieren, im Internet sind umfangreiche und gute Anleitungen frei verfügbar. Nachdem ich wusste, was ich brauche, klickte ich mich erst Mal durch die Onlineshops verschiedener Chemikalien-Lieferanten auf der Suche nach Ammoniumeisen(III)-Citrat und Kaliumhexacyanoferrat(III), kurz Kaliumferricyanid oder Rotes Blutlaugensalz. Diese beiden Eisensalze sind der Ausgangsstoff für eine lichtempfindliche Lösung, mit der sich beliebige saugfähige Untergründe beschichten lassen. Unter UV-Licht wande…

U-Bahn Berlin

U8, Weinmeisterstraße, Mitte.

12tel Blick im Juli: Mitternachtsbild in heißen Zeiten

Hier wurde ja schon des Öfteren kritisch kommentiert, auf der Baustelle täte sich nichts. So kann man das nicht sagen, die Bauarbeiter waren in diesem Jahr schon recht fleißig: die Fassade wurde größtenteils gedämmt, die Fenster eingesetzt und dann ging es an den Innenausbau. Seit zwei Wochen aber scheint die ganze Bagage im Sommerurlaub zu sein, denn es tut sich einfach nichts in diesen hitzedurchglühten Tagen. Dafür versperren tagsüber wieder nervige Lieferwagen den Blick auf das Bushäuschen. Ach ja, die Hitze. Gestern morgen erwachte ich kurz vor fünf Uhr und war kurz davor, das Foto in der morgendlichen Kühle zu schießen. Aber es ging nicht. Mein tonnenschwerer Körper weigerte sich, das Bett zu verlassen und in den Fotomodus zu wechseln. Tagsüber hatte es furchterregende 34 Grad Celsius, das Sommerlicht war grell und hart. Also wartete ich bis in die Nacht, auch in der Hoffnung einen anderen Blick auf “mein” Bushäuschen zu bekommen. Damit durchbreche ich gewissermaßen Tabeas 12tel…

Berlin-Kitsch II: Sie paddelten in den Sonnenuntergang

Während der Sonnenuntergang hinter der Oberbaumbrücke die Aura der flirrenden Großstadt präsentiert, findet sich sich gut zwei Kilometer weiter Südsüdwest ein Ausblick für romantische Gemüter. Eigentlich war es bereits stockduster an diesem Abend (Aufnahmezeit 21.10 Uhr) und die Sonne war bereits hinterm Horizont verschwunden, als das Ruderboot vom Neuköllner Schifffahrtskanal  an der Lohmühlenbrücke in den Landwehrkanal einbog. Und dann tat ich es wieder. Kamera aufs Einbeinstativ, 1/20 Sekunde und bevor sie im Sonnenuntergang verschwunden waren, hatte ich die Ruderer eingefangen. Erstaunlich, wie schnell so ein Boot aus dem Blickfeld verschwindet. Für eine Belichtungsreihe, um zum Beispiel ein HDR-Bild mit schönem Kontrastumfang zu produzieren, blieb deshalb keine Zeit. Mit dem verwendeten Objektiv, einem alten manuellen Revuenon 50/f1,7 ohne automatische Blendensteuerung, muss man eine bei diesen Lichtverhältnissen sowieso eine gewisse Langsamkeit einplanen. Den fehlenden Kontrastu…

Kitsch aus Berlin

Ich hab’s getan. Gestern fotografierte ich einen Sonnenuntergang. 1A-Hauptstadtblick über die Spree von der Elsenbrücke zwischen Treptow und Stralau.Das Ergebnis ist der pure Kitsch, geeignet allenfalls für eine Postkarte vom Berlinurlaub. Sonnenuntergänge sind bekanntlich bunten Grüßen aus den Ferien vorbehalten. Der Blick Richtung Oberbaumbrücke mit den Molecule Men im Vordergrund scheint besonders beliebt zu sein, denn während ich auf die entscheidenden Minuten wartete, entstanden vermutlich hunderte Bilder von der Szenerie. Praktisch jede/r, der vorbeilatschte oder -radelte, zückte Handy oder Knipse; Menschen streckten Fotoapparate aus vorbeifahrenden Autos und drückten ab.Eigentlich sollte man so etwas nicht veröffentlichen. Aber ich wollte auch mal was Gelacktes posten. Sehr hilfreich bei der Aufbereitung zum Kitschbild war Corel Aftershot Pro, das ich mir vor ein paar Wochen gekauft habe. Also: Belichtung ausgeglichen, Spitzlichter korrigiert, die Schwärze etwas gesättigt, biss…

12tel Blick: Halbzeit im Kiez

Zwei Tage habe ich mit meinem Bushäuschen um das sechste Foto gekämpft. Zweimal vor Ort, gewartet, geknipst, nicht zufrieden gewesen. Entweder ist das Junilicht irre hart, wenn es fast senkrecht auf die Fassaden fällt oder man hat enorme Kontraste zwischen heller Fassade im Abendlicht und dem Bushäuschen im Schatten. Die enormen Unterschiede zwischen Hell und Dunkel überfordern den Dynamikumfang meiner Kamera; ich sollte es doch mal mit Belichtungsreihen und HDR versuchen… Morgens ist es nicht übrigens nicht viel besser. Das Licht kommt nur aus der anderen Richtung, außerdem verstellt unter der Woche immer noch der Fuhrpark der Bauleute die Sicht auf das Zentrum meines Motivs. Einmal Auto reicht und so wartete ich am Abend auf den großartigen Schnappschuss. Weil er nicht kommen wollte, ist diesmal der Fortgang der Bauarbeiten das Spannendste. Und natürlich die typische Beschäftigung von jüngeren Berlin-Bewohnern und Besuchern auf den Weg durch die Straße: das gemeinsame Nuckeln an ein…

„Mein“ Dorf und ich: Ein paar klitzekleine Gedanken zu früher

Heimatfoto heißt dieses Blog und doch war dieses Wort „Heimat“ von mir immer als ironische Distanzierung gedacht. Denn der Begriff ist fürchterlich bedeutungsgeladen und nicht immer sind die Verknüpfungen damit positiv belegt. Es ist noch gar nicht so lange her, als es die Heimat meist nur im Doppel oder Tripel mit dem „Volk“ und dem „Vaterland“ gab. Schon dieses Wort „Vaterland“ aufzuschreiben kostet mich Überwindung. So ideologisch verbrannt ist für mich dieser Begriff, dass ich ihn im Grunde nur als Nazisprech empfinde.

Mit der Heimat ist es nicht ganz so schlimm. Man kann das Wort tatsächlich verwenden, ohne gleich die Bilder eines brüllenden kleinen Mannes mit Bärtchen und Seitenscheitel, marschierender Wehrmacht in Schwarzweißsequenzen und Fotos zerbombter Städte heraufzubeschwören.

Heimat, das kann süßlicher Kitsch sein, wie „Grün ist die Heide“, Trachtengruppen, der deutsche Wald, Fachwerk, Bierseligkeit. Oder einfach der Ort, an dem man lebt, verwurzelt ist und Freunde h…

Mairegen

Kaum saßen wir gestern Nachmittag  in der Straßenbahn von Rüdersdorf nach Friedrichshagen, brach der Regen los . Er löschte die scharfen Konturen der Landschaft und Autos aus, das Licht der Scheinwerfer in der plötzlichen Dämmerung verwandelte sich in zerfließende gelbe und rote Farbkleckse. Wie schön der Autoverkehr doch sein kann, wenn der Wolkenbruch ihm die Härte nimmt.

Porträts: Schräge Typen aus Berlin-Dahlem

Ich fotografiere unheimlich gerne Porträts. Leider mache ich sehr selten welche. Weil: man braucht jemanden, die/der bereit ist, sich der Kamera zu stellen. Schwierig.

Neulich allerdings, in Berlin-Dahlem, hatte ich wirklich Glück. Denn dort traf ich, rein zufällig, ein paar Jungs, die sofort zum Shooting bereit waren. Sie hatten Zeit und Langeweile, waren trotzdem gut drauf und blieben die ganze Zeit locker, obwohl ich doch ziemlich lang für die Fotos brauchte. Vier von der Gang hatten auch nichts dagegen, dass ich ihre Porträts in meinem Blog veröffentlichen wollte. "Mach mal, Alter, is' gar kein Problem, näh!". Wir klatschen ab und ich versprach, sie demnächst wieder zu besuchen. Mal sehen, ob mit ihnen dann ein paar Kumpels rumlungern, die ich noch nicht kenne.


Zu finden im Ethnologischen Museum ( Staatliche Museen zu Berlin), Arnimallee 27, 14195 Berlin-Dahlem.

12tel Blick im Mai: Das große weiße Auto

Fotografie heißt auch immer: Zeigen, was ist. Gerade in der Straßenfotografie und bei Langzeitprojekten muss man sich mit den Gegebenheiten arrangieren. Die anderen 12tel-BlickerInnen werden mir zustimmen: wie gerne hätten wir im Februar und März ein bisschen Grün auf den Bildern gehabt. Stattdessen gab’s Schnee.  Oft bleibt einem auch nicht anderes übrig, als das Motiv zu nehmen, das sich so aufdringlich ins Bild schiebt. So wie dieser Lieferwagen, der seit Tagen von morgens bis abends das Bushäuschen und die Dixiklos verdeckt. Am Neubau links geht es nämlich jetzt rasant voran und irgendwo müssen die Bauleute ihren Karren parken. Damit blockieren sie nicht nur die Sicht auf den Ankerpunkt meines Motivs, sie zwingen auch die Fußgänger auf die Straße. Dieses Foto entstand übrigens unter der Woche, zu einer Zeit, an der ich auch sonst an der Bushaltestelle stehe. Ich habe nämlich ein paar freie Tage,  die ich gerade sehr genieße. So viel für diesen Monat vom Bushäuschen. Bis in vier Wo…

Foto vom Bild: Entdecke die Gemäldegalerie Berlin

Berliner, auch zugereiste, wohnen bekanntlich dort, wo andere gerne Urlaub machen (würden). Leider geht es mir wie den meisten Menschen, die an begehrten Orten wohnen: von den Sehenswürdigkeiten bekomme ich wenig mit. Nach der Arbeit ist mir meist mehr nach Feierabendgetränk und Nachtmahl als nach Kultur, das Wochenende geht mit so komischem Zeitvertreib wie ausgiebigem Frühstücken, Einkauf und bisweilen auch Wohnungsputz vorbei. Doch JETZT habe ich Urlaub, die restlichen freien Tage vom Vorjahr müssen weg. Also, was tun? Statt wie Lenin über die Partei der Arbeiterklasse zu grübeln, stand mir gestern der Sinn mehr nach einer netten Fotoausstellung. Das derzeitige Angebot konnte mich jedoch nicht besonders locken, auf der Suche nach Alternativen erinnerte sich der kleine Kunsthistoriker in mir, dass es in Berlin eine doch recht grandiose Gemäldegalerie geben soll.

“Die Gemäldegalerie besitzt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhund…

Photographiere Dich selbst!

Mit 12 oder so brauchte ich dringend Passbilder für einen Schülerausweis. Also fütterte ich den Fotoautomaten im Fürther Hauptbahnhof mit fünf (!) Mark, soweit ich mich erinnern kann, und setzte mich vor die Linse. Dass es ohne Vorwarnung blitzen würde, hatte ich nun gar nicht erwartet (warum eigentlich nicht, frage ich mich heute?) – und viermal hintereinander schon gar nicht. Folglich erschrak ich ganz fürchterlich und schließlich spuckte die Maschine einen Streifen mit vier Fotos aus, auf denen ich erst suchend in die Gegend schaue, dann nur zur Hälfte zu sehen bin und schließlich Augen und Mund aufreiße wie ein Schaf bei Gewitter. Eines der Bilder wanderte aber tatsächlich in meinen Ausweis; das Dokument der Schande liegt sogar noch in einer Kruschtelschublade herum, wenn mich nicht alles täuscht.

Es ist schon eine Weile her, dass ich auf einem unserer sonntäglichen Streifzüge beim Rosa-Luxemburg-Platz einen dieser neuen alten “Photoautomaten” (schön Vintage mit “ph”) entdeckte.…

Gelesen und gewonnen: “Zeit-Fotografie” und “Ästhetik des Aufgebens”

GelesenVergangenen Donnerstag holte ich mir zum ersten Mal seit langem wieder “Die Zeit”. Gelockt hatte mich das beiliegende Foto-Magazin, auf dem Titelbild der junge F. C. Gundlach mit dem Satz “Wie mache ich ein gutes Foto?” Diese Frage quält mich ja auch regelmäßig. Erst vorgestern sah ich alte Dias von 1994 durch, eine Rundreise durch England und Schottland, und war ganz ermattet von den seltsamen Bildern, die ich damals gemacht hatte. Franz Christian Gundlach, wie er mit ganzem Namen heißt, wäre vermutlich ebenfalls nicht begeistert gewesen, hätte er sie im Magazin ab Seite 20 besprochen. Wie das aussieht, kann man auch online nachlesen. Es gibt Überschneidungen mit dem Heft, aber es doppelt sich nur an wenigen Stellen. Sehr schön und anregend ist das Interview mit dem mittlerweile 86jährigen Gundlach. Es liest sich, als würde ein weit jüngerer Mann uns etwas über seine Lieblings-Fotografien erzählen. Mindestens genauso gelungen ist das Kapitel “Unsere Lichtgestalten”: Fotografen…