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12tel Blick: Urbanes Alltagspanorama im Januar

12tel Blick im Januar: Bushaltestelle in Berlin

Es ist nicht so, dass Berlin nicht weite Aussichten erlauben würde. Von der Elsenbrücke über die Spree Richtung Mitte präsentiert sich ein herrlicher Hauptstadtblick über den Fluss, der sich hier fast wie ein See Richtung Westen bis zur Oberbaumbrücke weitet. Oder der ehemalige Flughafen Tempelhof, das Tempelhofer Feld: eine schier endlose Steppe mit Lerchen und zahllosen Drachen am Himmel. Kein Wald, kein Gebäude, das den Blick verstellt. Aber das sind leider nicht meine alltäglichen Aussichtspunkte, auch wenn ich regelmäßig mit dem Bus oder der S-Bahn über die Elsenbrücke fahre.

Mein Arbeitstag beginnt quasi an der Haltestelle der BVG, um dort jeden Morgen in die Linie 194 Richtung Büro einzusteigen. Gegenüber wartet das Bushäuschen seit etwa einem halben Jahr darauf, dass es wieder in Betrieb genommen wird. Sobald das neue Haus fertig ist, wird der Bauzaun zusammen mit den immer müffelnden Dixiklohäuschen verschwinden und Menschen im Schatten des Kirschbaumes auf den 194er warten.

Weil dieser Ausblick so typisch und vertraut ist, mache ich jetzt jeden Monat ein Foto fürs Projekt 12tel Blick von dieser Haltestelle. Immer mit 28mm Festbrennweite und mindestens 1/2 Sekunde Belichtungszeit. Dies ist mein Beitrag zum Projektauftakt.

Kommentare

  1. Hallo Ralf,
    freut mich, daß du auch beim 12tel Blick mitmachst! Das Motiv ist wirklich sehr Berlin-typisch, auch wenn ich in dieser Stadt nie einen Kirschbaum an einer Straße gesehen habe. Ich war anscheinend immer in den falschen Gegenden unterwegs :-(.
    Tolles Motiv, und ich bin sehr gespannt, wie es an deiner Baustelle weitergeht!
    Grüßeaus Bayern, Ulrike

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    1. Der Baum steht da, weil sich ein paar nette Menschen um verwaiste vollgekackte Baumscheiben kümmern. Letztes Jahr trug er zum 1. Mal dicke dunkelrote Kirschen. Mal sehen ob das Grünflächenamt ihn leben lässt. Ich bin optimistisch!

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  2. hallo ralf,

    »heimat« ist für mich gerade wichtig, daher beziehe ich die »gruseligkeit« (von der ich oben las) eher auf eigenes als auf gschichtliches. mitunter ist mein 12tel blick aus heimatlichen gründen entstanden. ich sag jetz mal »gründe« ... die gefühle sind tatsächlich im letzten jahr während meines monatsfotoprojekts gewachsen.

    und ja ... kaum männer dabei. man bewegt sich leider oft in ähnlichen kreisen. ich freue mich also, den zweiten mann in unserer runde begrüßen zu dürfen! schön, dass du mitmachst. vielleicht gerate ich über deine blogrolle mal in »andere« kreise ;)

    dein konzept zum projekt gefällt mir sehr gut. genau darum geht es mir. um was eigenes!

    liebe grüße . tabea

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  3. Gute Wahl mit Wandlungsperspektive.

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  4. Interessantes Motiv! Vor allen Dingen die Idee mit der Bewegung im Bild gefällt mir gut. Hoffentlich erleben wir noch, dass Gerüst UND Dixies verschwinden ;-) LG Aqually

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    1. Die Dixis sind noch da, aber im Häuschen hat schon jemand aufgeräumt.

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  5. Hallo Ralf,
    willkommen an Bord - jetzt sind wir schon zu zweit(siehe Tabeas Kommentar!)
    Deine Idee mit der Bewegung im Bild finde ich ja extra Klasse, ebenso den gewählten Blick auf was (scheinbar) Alltägliches auf deinem Weg zur Arbeit. Für mich ist dies gerade was Besonderes im Vergleich zu vielen Beiträgen dieses Projeks.
    Freue mich auf die weitere Entwicklung an deiner Haltestelle.

    Grüße aus Moosburg
    Hans

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