Direkt zum Hauptbereich

12tel Blick: Urbanes Alltagspanorama im Januar

12tel Blick im Januar: Bushaltestelle in Berlin

Es ist nicht so, dass Berlin nicht weite Aussichten erlauben würde. Von der Elsenbrücke über die Spree Richtung Mitte präsentiert sich ein herrlicher Hauptstadtblick über den Fluss, der sich hier fast wie ein See Richtung Westen bis zur Oberbaumbrücke weitet. Oder der ehemalige Flughafen Tempelhof, das Tempelhofer Feld: eine schier endlose Steppe mit Lerchen und zahllosen Drachen am Himmel. Kein Wald, kein Gebäude, das den Blick verstellt. Aber das sind leider nicht meine alltäglichen Aussichtspunkte, auch wenn ich regelmäßig mit dem Bus oder der S-Bahn über die Elsenbrücke fahre.

Mein Arbeitstag beginnt quasi an der Haltestelle der BVG, um dort jeden Morgen in die Linie 194 Richtung Büro einzusteigen. Gegenüber wartet das Bushäuschen seit etwa einem halben Jahr darauf, dass es wieder in Betrieb genommen wird. Sobald das neue Haus fertig ist, wird der Bauzaun zusammen mit den immer müffelnden Dixiklohäuschen verschwinden und Menschen im Schatten des Kirschbaumes auf den 194er warten.

Weil dieser Ausblick so typisch und vertraut ist, mache ich jetzt jeden Monat ein Foto fürs Projekt 12tel Blick von dieser Haltestelle. Immer mit 28mm Festbrennweite und mindestens 1/2 Sekunde Belichtungszeit. Dies ist mein Beitrag zum Projektauftakt.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Heiße Liebe in Schwarz nach enttäuschter Beziehung

Es gab schon einige in meinem Leben. Kantige, Zickige, Schmiegsame, Unauffällige, Laute, Professionelle und welche mehr zum Spielen, denn zum ernsthaften Arbeiten. Ich rede hier von Fotoapparaten – und wer schon einmal ernsthaft über einen längeren Zeitraum fotografiert hat, wird mir womöglich zustimmen, dass sich zwischen dem Apparat und dem fotografierenden Menschen mit der Zeit eine gewisse (haptische) Beziehung aufbaut.

Mich hat es im vergangenen Sommer schwer erwischt. Brennende Leidenschaft, große Liebe, nach vielen müden Kompromissen. Inzwischen verstehe ich den Enthusiasmus der Leicafans. Es ist wohl diese Kombination aus Wertigkeit und Reduktion auf das Wesentliche: Eine Maschine zum Bilder festhalten, ohne Kompromisse und Schnickschnack, mit sündteuren, aber auch sehr guten Optiken. Doch bei mir ist es die Ricoh, die mich zum Fanboy machte.


Von der Samsung EX1 zur Ricoh GR II Müde von den Unzulänglichkeiten meiner Samsung EX1, machte ich mich auf die Suche nach Ersatz für d…

Mittelalterliches Bilderrätsel: Wer ist der Reiter der Apokalypse?

An Gästebüchern von Museen und Ausstellungen kann ich einfach nicht vorbeigehen, ohne wenigstens ein bisschen darin zu blättern. Diese Schwarten sind so was wie das Äquivalent  der Kommentarfunktion in Blogs: jeder kann unerkannt und unzensiert seine Meinung abgeben. Alles ist vertreten: Allgemeinplätze, fachkundiges Lob, provokatives Getrolle, hirnbefreites Gemotze, freundliche Bemerkungen.

Gerne in Domen zu finden: Bildergeschichten von Mord und Totschlag. Die Auflösung gibt es weiter unten.

Letzthin las ich im Gästebuch an der Pforte des Doms zu Brandenburg an der Havel folgenden Eintrag, vermutlich von einem Kind:
Ich fand es langweilig. Dome finde ich im Allgemeinen nicht so interessant. Da scheint jemand nicht von der allgemeinen Mittelalterbegeisterung infiziert worden zu sein. Aber es stimmt schon. So ein Dom ist objektiv betrachtet auf den ersten Blick nicht viel mehr als ein riesiger Steinhaufen mit Fenstern, Säulen, Pfeilern. Schlecht beleuchtet und miserabel beheizt sind …

Karpfenreportage: Des Franken liebsten Fisch auf der Spur

Manche Fotomotive lassen mich einfach nicht los.

Der fränkische Spiegelkarpfen zum Beispiel fasziniert mich seit meiner Kindheit. Aufgewachsen in einer Gastwirtschaft, wurde ich als kleiner Junge jeden Herbst Zeuge eines wahrhaft gargantuischen Ereignisses – der "Fischpartie" im Gasthaus Bräustübl in einer kleinen fränkischen Marktgemeinde. 250 bis 300 Karpfen von je rund 1,5 kg Gewicht verkaufte meine Großmutter, die legendäre Grete Süß, in halben Portionen innerhalb von 4 Tagen an die hungrigen Gäste.



Ein goldgrüner Karpfen nach dem anderen wurde geschlachtet  Das Bild der Metzgers, der die lebenden Fische in dieser Zeit schlachtete und für die Küche vorbereitete, werde ich nie vergessen. Das stand dieser mächtige, fast zahnlose Mann mit weißer Schürze und blaugestreifer Arbeitskleidung in der Waschküche, die als Schlachthaus diente. Mit präzisen Handgriffen holte er einen goldgrün schimmernden Spiegelkarpfen nach dem anderen aus einer riesigen Zinkwanne, betäubte die zapp…