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Geplante Obsoleszenz? Der plötzliche Tod eines Netzteils

Gestern Abend stöberte ich selbstvergessen auf dem Notebook in meinen Fotos, klickte mich durch meine Lieblingsblogs und amüsierte mich über die absurden Diskussionen durchgeknallter Fototechnik-Freaks im DSLR-Forum. Bis mich der Computer mit einem gequetscht-schrillen Bing-Laut unsanft aus meiner kontemplativen Stimmung riss. Die Warnmeldung Akku fast leer ließ mich sofort hektisch nach dem Netzteil suchen. Das aber steckte ordnungsgemäß in Steckdose und Rechner und tat, als würde es Strom liefern. Alles Rütteln am Stecker und Fluchen nützte nichts: das Notebook begab sich gemütlich in den Winterschlaf. Mir dagegen trat der Schweiß auf die Stirn – ein Defekt in der Ladeelektronik? Die zweijährige Gewährleistung war natürlich bereits abgelaufen. Und weil Hersteller bei solchen Fehlern der Einfachheit halber die Hauptplatine austauschen (Kostenpunkt je nach Rechner um die 350 Euro), stellte ich mich schon innerlich seufzend auf einen Neukauf ein.

Computer ok, Netzteil kaputt

 
Netzteil
Gestern noch Lebensborn,
heute Elektroschrott.
Zur Sicherheit maß ich das Netzteil noch mit dem Voltmeter durch. Und – Überraschung – am computerseitigen Stecker kamen genau 0 (in Worten: null) Volt an. Dieses kleine schwarze Kästchen simulierte Betrieb und lieferte dennoch keine Ausgangsspannung. Nach ziemlich genau zwei Jahren und acht Monaten war die Stromversorgungseinheit meines Samsung R530 also ohne Knall und Rauch verstorben. Schuld ist vermutlich nur ein defektes winziges Bauteil im Wert von wenigen Cent – ein Kondensator, ein Gleichrichter, eine Diode, ein Widerstand, vielleicht auch ein Kabelbruch. Doch wie soll man ein Gerät selbst reparieren, dessen Gehäuse bombenfest ohne eine Schraube schließt? Nichts zu machen, schon der Kostenvorschlag des Elektrikers überträfe vermutlich den tatsächlichen Warenwert.

Entweder handelt sich sich dabei um einen Fall geplanter Obsoleszenz, das heißt, der Netzteilhersteller baut bewusst Geräte, die gerade mal die Gewährleistungsfrist überstehen; oder aus Kostengründen liegt der lumpigste möglichst günstigste Elektrokrempel bei. Vielleicht hängt auch beides zusammen – wer weiß das schon?! Zumindest scheint es mehr als einen Zulieferer zu geben, denn auf dem Originalnetzteil fehlt der Name des Produzenten.

 

Überbordendes Angebot an billigen Ersatzgeräten

 
Der Verdacht liegt nahe, denn es scheint generell einen enormen Bedarf an Ersatznetzteilen zu geben. Eine kleine Recherche liefert nämlich ein geradezu überbordendes Angebot an Ersatztrafos. Passende Geräte für mein R530 gibt es von den unterschiedlichsten Herstellern bei amazon, ebay und diversen Elektronikversendern. Die Preise sind für ein so sicherheitsrelevantes Teil erschreckend niedrig: zwischen 9,90 und rund 40 Euro. Das Original kostet 85 Euro. Haha. Die Kundenbewertungen unterscheiden sich kaum, egal ob billig oder teurer.

Am Ende bestellte ich bei einem ebay-Höker für knapp 15 Euro – inklusive Versand. Zwei Jahre wird es halten, so wie das alte. Nicht unwahrscheinlich, dass es aus der gleichen Fabrik kommt wie das kaputte Original. Das landet nun im Elektromüll und mit ihm die wertvollen seltenen Erden, teures Kupfer und andere immer knapper werdende Ressourcen – der Kunststoff des Gehäuses ist aus Öl gemacht. Warum? Weil den Konzernen die Langlebigkeit ihrer Produkte, und damit ihr Ruf, offensichtlich nicht so wichtig ist wie der Quartalsgewinn.

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