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Aus meiner Archivkiste: Perspektivwechsel


In meiner Zeit als freier Schreiber im Landkreis Fürth war ich ständig auf der Suche nach Bildmotiven und kleinen Geschichten, die über die alltäglichen Chronistenberichte hinausgingen. Nun sind Landgemeinden nicht gerade Orte regelmäßiger Sensationen, ein Großeinsatz der Feuerwehr ist (glücklicherweise!) die seltene Ausnahme. 

Autokran vor Kirche KirchfarrnbachAls ich vor einiger Zeit meine alten Negative archivierte und beschriftete, fiel mir wieder eine kleine Bilderserie in die Hand, die ich an einem Tag im Frühherbst 1992 oder ‘93 ohne Auftrag geknipst hatte. Ich war mit dem Auto Richtung Kirchfarrnbach unterwegs, als ich schon von Weitem den Autokran neben dem Turm der Kirche sah. Neugierig geworden hielt ich an und fragte nach ein paar Fotos den Kranführer spontan, ob ich mit dem Förder­korb zum Foto­graf­ieren hoch­fahren dürfte.

Der Dachdeckermeister hatte nichts dagegen und so schwebte ich bald darauf neben dem gotischen Turmhelm, wo der Meister damit beschäftigt war, eine ganze Reihe lockerer Dachziegel zu befestigten. Ehrlich gesagt war mir dabei ziemlich mulmig, als ich so frei in rund 30 Meter Höhe unter dem Kranarm pendelte. Denn bis zu diesem Moment wusste ich nichts von meiner leichten Höhenangst.

Die Kamera war mit einem Schwarzfilm Ilford HP 5 geladen, ein abgeschnittener Rest mit weniger als 20 Bildern. Aus Kostengründen kaufte ich nämlich immer 36er-Filmkapseln und versuchte damit mehrere Termine zu fotografieren  Gab ich einen teilbelichteten Film im Zeitungslabor ab, konnte ich den Rest nochmal verwenden. Das war auch bitter nötig. Denn für ein Bild bekam ich zwanzig Mark (ca. elf Euro) – allein der HP 5 kostete mich schon mehr als vier DM. 

Ich hatte also nur etwa 20 Schüsse für ein Genre, in dem ich mich bis dahin noch nie ausprobiert hatte: die Fotoreportage. Damit ist diese Serie mein erster derartiger Versuch.
Kirchturm Kirchfarrnbach Blick nach unten
Auweh, das geht aber tief runter.

Die Bilder sind nicht gerade meisterlich, denn ich hatte im Prinzip keine Ahnung, wie man an so etwas rangeht. Das fing mit der Ausrüstung und dem Material an: Ein etwas grobkörniger Film mit ISO 400 mit Schwächen im Kontrastumfang ist eher nachteilig bei solchen Aufnahmen. Das Objektiv, ein Vivitar 35-105 an einer Canon AV-1, ist sehr Streulicht-empfindlich. Ich besaß natürlich keine Gegenlichtblende. Diese Kombination aus Film und Optik liefert bei Gegenlicht zwingend äußerst dürftige Ergebnisse.

Dachdecker am Turm  und Blick zum Boden

Dann fehlen größtenteils die Menschen auf den Bildern, eigentlich ein Muss für eine Handwerksreportage. Es könnte daran liegen, dass ich den Blick aus der Höhe einfach sensationell fand, nachdem ich meinen kleinen Angstanfall überwunden hatte. Ob ich deshalb vergaß, den Dachdeckermeister auch aus der Nähe zu porträtieren, es damals nicht besser wusste oder einfach der Film voll war: Ich weiß es nicht mehr. Es ist 20 Jahre her.

Dafür habe ich Landschaftsaufnahmen nach Westen und Süden auf den Farrnbachgrund gemacht. Fotografisch sind sie kaum interessant, höchstens historisch. Vor allem die schlampige Entwicklung (und mein Scanner ;-) hat deutliche Mängel hinterlassen. Ansel Adams würde weinen.

Kirchfarrnbach Blick nach Westen
Im Westen, im Westen - da liegt ein Ort der heißt Kreben
Kirchfarrnbach Blick nach Osten
Fürth ist unsichtbar im Osten. Sieht man die SpVgg Greuther Fürth nicht verlieren.
Die Längsstreifen sind jedenfalls keine eigenartigen Himmelserscheinungen sondern leider Bestandteil des Negativs. Ein Meister der Bildbearbeitung könnte das sicherlich korrigieren, ich kann es  nicht. Deshalb gibt es die ausgewählten Fotos meiner ersten spontanen Reportage hier mit allen ihren Schwächen zu sehen.

Kommentare

  1. Was für eine lebendige Geschichte ;-) So schreibt das Leben! Und es ist allemal zeigens- und erinnernswert... - Zum deinem Kommentar bei meinen befreundeten Bäumen: dankeschön, und: es ist eine Frage der Perspektive ;-) Lieben Gruß Ghislana

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  2. Kannst du echt keine Bildbearbeitung? Daraus könnte man schön Ansel Adams machen. Und überhaupt, hat der nicht auch schon damals an seinen Fotos rumgebastelt? Solche Fragen finde ich immer sehr interessant, ob so etwas entmystifiziert usw. (Ich meine ja nein).

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    1. Doch ich kann Bildbearbeitung, bin aber nicht gerade ein Meister darin. Entzerren, Sättigung, Kontrast, Helligkeitskorrektur und Weißabgleich bekomme ich noch ganz gut hin. Aber ich habe weder einen kalibrierten Monitor noch die Ausdauer dazu :) Bei den beiden unteren Fotos müsste man mit Maske arbeiten, um den Himmel auszuarbeiten (die Karpfenfrau habe ich zum Beispiel ausmaskiert und separat bearbeitet, weil der Kontrast sehr hoch war und sie als Ebene übers Bild gelegt). Ohne Grafiktablett macht das aber keinen Spaß.

      Ansel Adams war natürlich ein Meister der Negativverarbeitung und Positiv-Entwicklung - der hat bei der Vergrößerung oder den Kontaktabzügen irrsinnig getrickst. Aber der hatte auch Negative von rund 20 x 25 Zentimeter (8x10 inch) Größe und keine solchen Briefmarken, wie sie der Kleinbildfilm liefert. Da kann man ganz andere Ergebnisse rausholen. Der Herr Adams hat das Optimale geschafft.

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