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Posts

Es werden Posts vom Mai, 2013 angezeigt.

Mairegen

Kaum saßen wir gestern Nachmittag  in der Straßenbahn von Rüdersdorf nach Friedrichshagen, brach der Regen los . Er löschte die scharfen Konturen der Landschaft und Autos aus, das Licht der Scheinwerfer in der plötzlichen Dämmerung verwandelte sich in zerfließende gelbe und rote Farbkleckse. Wie schön der Autoverkehr doch sein kann, wenn der Wolkenbruch ihm die Härte nimmt.

Porträts: Schräge Typen aus Berlin-Dahlem

Ich fotografiere unheimlich gerne Porträts. Leider mache ich sehr selten welche. Weil: man braucht jemanden, die/der bereit ist, sich der Kamera zu stellen. Schwierig.

Neulich allerdings, in Berlin-Dahlem, hatte ich wirklich Glück. Denn dort traf ich, rein zufällig, ein paar Jungs, die sofort zum Shooting bereit waren. Sie hatten Zeit und Langeweile, waren trotzdem gut drauf und blieben die ganze Zeit locker, obwohl ich doch ziemlich lang für die Fotos brauchte. Vier von der Gang hatten auch nichts dagegen, dass ich ihre Porträts in meinem Blog veröffentlichen wollte. "Mach mal, Alter, is' gar kein Problem, näh!". Wir klatschen ab und ich versprach, sie demnächst wieder zu besuchen. Mal sehen, ob mit ihnen dann ein paar Kumpels rumlungern, die ich noch nicht kenne.


Zu finden im Ethnologischen Museum ( Staatliche Museen zu Berlin), Arnimallee 27, 14195 Berlin-Dahlem.

12tel Blick im Mai: Das große weiße Auto

Fotografie heißt auch immer: Zeigen, was ist. Gerade in der Straßenfotografie und bei Langzeitprojekten muss man sich mit den Gegebenheiten arrangieren. Die anderen 12tel-BlickerInnen werden mir zustimmen: wie gerne hätten wir im Februar und März ein bisschen Grün auf den Bildern gehabt. Stattdessen gab’s Schnee.  Oft bleibt einem auch nicht anderes übrig, als das Motiv zu nehmen, das sich so aufdringlich ins Bild schiebt. So wie dieser Lieferwagen, der seit Tagen von morgens bis abends das Bushäuschen und die Dixiklos verdeckt. Am Neubau links geht es nämlich jetzt rasant voran und irgendwo müssen die Bauleute ihren Karren parken. Damit blockieren sie nicht nur die Sicht auf den Ankerpunkt meines Motivs, sie zwingen auch die Fußgänger auf die Straße. Dieses Foto entstand übrigens unter der Woche, zu einer Zeit, an der ich auch sonst an der Bushaltestelle stehe. Ich habe nämlich ein paar freie Tage,  die ich gerade sehr genieße. So viel für diesen Monat vom Bushäuschen. Bis in vier Wo…

Foto vom Bild: Entdecke die Gemäldegalerie Berlin

Berliner, auch zugereiste, wohnen bekanntlich dort, wo andere gerne Urlaub machen (würden). Leider geht es mir wie den meisten Menschen, die an begehrten Orten wohnen: von den Sehenswürdigkeiten bekomme ich wenig mit. Nach der Arbeit ist mir meist mehr nach Feierabendgetränk und Nachtmahl als nach Kultur, das Wochenende geht mit so komischem Zeitvertreib wie ausgiebigem Frühstücken, Einkauf und bisweilen auch Wohnungsputz vorbei. Doch JETZT habe ich Urlaub, die restlichen freien Tage vom Vorjahr müssen weg. Also, was tun? Statt wie Lenin über die Partei der Arbeiterklasse zu grübeln, stand mir gestern der Sinn mehr nach einer netten Fotoausstellung. Das derzeitige Angebot konnte mich jedoch nicht besonders locken, auf der Suche nach Alternativen erinnerte sich der kleine Kunsthistoriker in mir, dass es in Berlin eine doch recht grandiose Gemäldegalerie geben soll.

“Die Gemäldegalerie besitzt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhund…

Photographiere Dich selbst!

Mit 12 oder so brauchte ich dringend Passbilder für einen Schülerausweis. Also fütterte ich den Fotoautomaten im Fürther Hauptbahnhof mit fünf (!) Mark, soweit ich mich erinnern kann, und setzte mich vor die Linse. Dass es ohne Vorwarnung blitzen würde, hatte ich nun gar nicht erwartet (warum eigentlich nicht, frage ich mich heute?) – und viermal hintereinander schon gar nicht. Folglich erschrak ich ganz fürchterlich und schließlich spuckte die Maschine einen Streifen mit vier Fotos aus, auf denen ich erst suchend in die Gegend schaue, dann nur zur Hälfte zu sehen bin und schließlich Augen und Mund aufreiße wie ein Schaf bei Gewitter. Eines der Bilder wanderte aber tatsächlich in meinen Ausweis; das Dokument der Schande liegt sogar noch in einer Kruschtelschublade herum, wenn mich nicht alles täuscht.

Es ist schon eine Weile her, dass ich auf einem unserer sonntäglichen Streifzüge beim Rosa-Luxemburg-Platz einen dieser neuen alten “Photoautomaten” (schön Vintage mit “ph”) entdeckte.…

Gelesen und gewonnen: “Zeit-Fotografie” und “Ästhetik des Aufgebens”

GelesenVergangenen Donnerstag holte ich mir zum ersten Mal seit langem wieder “Die Zeit”. Gelockt hatte mich das beiliegende Foto-Magazin, auf dem Titelbild der junge F. C. Gundlach mit dem Satz “Wie mache ich ein gutes Foto?” Diese Frage quält mich ja auch regelmäßig. Erst vorgestern sah ich alte Dias von 1994 durch, eine Rundreise durch England und Schottland, und war ganz ermattet von den seltsamen Bildern, die ich damals gemacht hatte. Franz Christian Gundlach, wie er mit ganzem Namen heißt, wäre vermutlich ebenfalls nicht begeistert gewesen, hätte er sie im Magazin ab Seite 20 besprochen. Wie das aussieht, kann man auch online nachlesen. Es gibt Überschneidungen mit dem Heft, aber es doppelt sich nur an wenigen Stellen. Sehr schön und anregend ist das Interview mit dem mittlerweile 86jährigen Gundlach. Es liest sich, als würde ein weit jüngerer Mann uns etwas über seine Lieblings-Fotografien erzählen. Mindestens genauso gelungen ist das Kapitel “Unsere Lichtgestalten”: Fotografen…