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12tel Blick im Mai: Das große weiße Auto

12tel Blick Mai

Fotografie heißt auch immer: Zeigen, was ist. Gerade in der Straßenfotografie und bei Langzeitprojekten muss man sich mit den Gegebenheiten arrangieren. Die anderen 12tel-BlickerInnen werden mir zustimmen: wie gerne hätten wir im Februar und März ein bisschen Grün auf den Bildern gehabt. Stattdessen gab’s Schnee. 

Oft bleibt einem auch nicht anderes übrig, als das Motiv zu nehmen, das sich so aufdringlich ins Bild schiebt. So wie dieser Lieferwagen, der seit Tagen von morgens bis abends das Bushäuschen und die Dixiklos verdeckt. Am Neubau links geht es nämlich jetzt rasant voran und irgendwo müssen die Bauleute ihren Karren parken. Damit blockieren sie nicht nur die Sicht auf den Ankerpunkt meines Motivs, sie zwingen auch die Fußgänger auf die Straße. Dieses Foto entstand übrigens unter der Woche, zu einer Zeit, an der ich auch sonst an der Bushaltestelle stehe. Ich habe nämlich ein paar freie Tage,  die ich gerade sehr genieße. So viel für diesen Monat vom Bushäuschen. Bis in vier Wochen beim nächsten 12tel Blick!

So und jetzt schau ich rüber zu den vielen interessanten Mai-Ausblicken bei Tabea, diesmal unter dem Titel “Wachstumsschub”. Meine Beiträge findet Ihr hier.

Kommentare

  1. Heute merkte ich erst, wie unmöglich mein schreibstil beim letzten Kommentar war (mobil ist eben autokorrektur anfällig *augenroll)
    Sorry dafür.

    Wunderbar witzig finde ich, wie du die Gegebenheiten hin nimmst.
    Das weisse Auto und die verdrängten fussgänger bilden einen völlig neuen Blick, da der Fokus nach vorn rutscht.
    Ich nehm mir ein Beispiel, nicht immer nur beim schönsten Wetter zu schiessen.

    Grüsse von Melli

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  2. ne ne, war wohl nix mit der blumenreklamation ...

    gutes foto, diesmal mit weißer kastenartiger überraschung. und schön, dass du die gegebenheiten als teil deiner bilckgeschichte siehst. würde ich auch ;) perfekt, wenn sich solche dinge ereignen, ohne dass man sie selbst erdacht und arrangiert hat. die drei damen sind gleichmäßig verteilt ... schwarz-weiß-rot ... ähm das unkraut wuchert unterm baum. hat wohl keinen hausmeister, die haltestelle?

    ich wünsche dir angenehme freie tage!

    liebe grüße . tabea

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    1. Der Balkon ähnelt inzwischen eher einem Pflanzenfriedhof. Dein Gefühl, dass dort eine Frau wohnt ist übrigens vermutlich richtig. Ein grünes Händchen kann ich dort nicht entdecken. Und das ist kein Unkraut, sondern Guerilla Gardening ;). Den Baum haben nämlich Anwohner gepflanzt und auch geschnitten. Da fühlt sich das Grünflächenamt nicht mehr für die Baumscheibe zuständig, so lange sie eingezäunt ist.

      Grüße,
      Ralf

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  3. ... und ich dachte als erstes, oh, Umzug. Aber der Baum ist hübsch grün. Mal sehen, ob nächsten Monat die Sicht wieder frei ist. LG Aqually

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  4. Dein Blickwinkel ist interessant, ich mag gern Leute und Stadtleben beobachten. Ob es den Bewohnern der schönen Wohnung mit der Fenster-Kreis-Verzierung vielleicht unangenehm ist? (Das ist mir mal passiert, als ich Blüten vor einem Küchenfenster fotografiert habe.)
    Die lange Belichtungszeit bringt Bewegung in das Motiv, ein Pluspunkt für dich.

    LG. sou enim.

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  5. Drei Halmasteine auf großem weißen Spielfeld und die Haltestelle ist ganz verschwunden ! so ein großes Auto ohne werberaufdruck, sehr ominös, ich hiffe du hast dir das Kenzeichen notiert. Dem baum hat das viele Wasser gut getan, den Bauarbietern wohl nicht, man die mehren vielleicht rum, würden die Sachsen sagen.
    Vielen Dank fürs Erinnern! Morgen passierts.
    Vg kaze

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  6. Ha, klasse, ich find's super, wie aufdringlich sich die Arbeiter hier in mit ihrem Wagen in Dein Bild gedrängelt haben! Und Du hast auch wirklich nicht die Schleichwerbung wegretuschiert? Das war doch sicher deren einzige Absicht, als sie den Wagen da so hingestellt haben, mitten rein in Dein Motiv!
    Grandios auch die drei Damen im Gänsemarsch, wie auf Regieanweisung...was mich langsam stutzig macht, sind nicht nur die unangetasteten Blumenkästen auf dem Balkon, sondern auch die nahezu unveränderte Gardinenstellung in fast allen Aufnahmen. Wenn nicht schon mal Licht gewesen wäre, würde ich mich doch langsam wundern, ob da überhaupt jemand lebt?
    Sehr spannender Blick, nach wie vor!

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    1. Neh, neh, neh, da ist nix retuschiert. Und den Damen habe ich auch keinen Kaffee versprochen, damit sie schön geordnet durchs Bild marschieren. Ist das Ergebnis von fast 45 Minuten Geduld und unauffälligem Drücken des Drahtauslösers. Die Wohnung im ersten Stock ist auch für mich ein großes Rätsel. Ich habe da auch noch nie jemanden auf dem Balkon gesehen und vergangenes Jahr waren die Pflanzen noch am Leben. Wir werden sehen, ob sich da im Laufe des Jahres noch was tut.

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