Direkt zum Hauptbereich

12tel Blick im September: Wahltag

12tel Blick im mit Radfahrerin

Ja, ja, der Wahltag. Ich sollte nicht darüber schreiben. Politik ist bekanntlich Gift fürs Blog. Schreibst du über Politik, zucken alle zusammen und gucken betreten zu Boden. Oder, noch schlimmer, sie fangen verstohlen an zu gähnen, der Blick wandert ins Leere und schon ist sie/er weg, das scheue Reh von Leser/in.

Deshalb lasse ich es bleiben. Was mir nicht schwer fällt. Denn das Einzige, was dieses Bild mit der Bundestagswahl zu tun hat: es entstand gestern, am diesem Sonntag, an dem die FDP aus dem Bundestag flog, Angela Merkel Stimmen ohne Ende einsackte, die Grünen und Linke eine Menge Wähler verloren und die SPD ein paar Prozentpunkte dazu gewann. Dem Bushäuschen war das alles egal. Es wartete weiter geduldig darauf, wieder in Betrieb genommen zu werden.

Vielleicht lag es am Wahltag, dass die Leute so unlustig vorbeischlichen. Niemand mit Ball, Flasche oder Hund. Kein Gänsemarsch. Der ist auch nicht mehr nötig, denn der Gehweg ist wieder gepflastert, die Baustellensicherung fast komplett abgebaut. Niemand muss mehr auf die Fahrbahn ausweichen. Nach über einem Jahr Bauzeit sind die ersten Bewohner in das Mehrfamilienhaus eingezogen. Der erste Balkon wurde schon zum Wäsche trocknen benutzt. Bierkästen konnte ich noch keine entdecken. Vielleicht ist das Bild doch nicht so langweilig.

Es kann ja nicht immer was passieren.

Wer wissen will, was sich an meinem kleinen Ensemble verändert hat, möge eine Blick in meine kleine Galerie mit jetzt neun Bildern werfen. Jede Menge weitere 12tel Blicke gibt es wie jeden Monat bei Tabea.

Kommentare

  1. Oh, Leben in der Bude und nebenan steht immer noch die weiße Gießkanne. Das Klo wird wohl demnächst zu uns umziehen denn wir sprengen gerade das Untergeschoß *hust* und die Jungs, die das Ganze dann nächsten Monat wieder aufbauen brauchen auch ein Örtchen. LG Aqually

    AntwortenLöschen
  2. Meinen 12tel Blick habe ich auch am Wahltag eingefangen. Die Beobachter, die ich hatte, waren davon total unbeeindruckt.
    Es ist spannend zu sehen, was sich bei deinem Blick im Laufe der Zeit schon verändert hat.
    LG, Gerdi

    AntwortenLöschen
  3. Das Haus ist renoviert, Leute ziehen ein, es soll nichts passieren - das steht doch irgendwie für die Wahl bzw.die Gründe für das Ergebnis. Aber es stimmt schon, Politik kann das Wir-Gefühl von Bloglesern stören.

    AntwortenLöschen
  4. Wir haben in Österreich am nächsten Sonntag Wahltag.Wichtig, notwendig, aber Tabeas 12 tel Blicke sind spannender.
    LG Brigitte

    AntwortenLöschen
  5. Kein Wunder, dass die Balkone so menschenleer sind...waren ja grad alle wählen oder sitzen drinnen vor der Glotze und warten auf die ersten Hochrechnungen! ;o) Und der eine da auf dem Fahrrad hat wohl verpennt und radelt noch hurtig zum Wahllokal, um seine Stimme (...für Angie...) abzugeben.
    Mein erstes Augenmerk galt aber dieses Mal besonders der Analogie von Bauzaun und Balkongeländern. Keine Ahnung warum, die waren ja letztes Mal schon da. Trotzdem springt mir die Parallele bei diesem Bild irgendwie geradezu ins Auge. Seltsam.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ehrlich gesagt erinnern mich die Balkongeländer an die Schweinkoben in modernen Mastanstalten. Kalt, funktional, unzerstörbar. Das Haus an sich finde ich gar nicht so schlecht mit seiner klaren Fassade, wenn auch recht nüchtern. Aber die Balkone locken wirklich nicht zum Draufsitzen. Die Bewohner sind da ja mehr oder weniger auf dem Präsentierteller. Mal sehen, wann dort die ersten Bastmatten hängen.

      Löschen
  6. der radfahrer war doch bestimmt unverhofft, oder? sitzt doch perfekt und unscharf am richtigen fleck. so schnell schon bewohnt. und unten zieht ein laden ein?

    liebe grüße . tabea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Diesmal stand ich da über eine halbe Stunde, weil wirklich gar nix passiert ist. Aber die Radfahrerin (ja, es ist eine Frau) sah ich natürlich anrollen und drückte rechtzeitig auf den Auslöser.

      Löschen
    2. Und unten zieht tatsächlich ein Laden ein.

      Löschen
  7. Na zum Glück raste da ein Rad heran und half Dir aus dem Stimmungstief ;-)
    viele Grüße
    Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hatte eigentlich ganz gute Laune ;)

      Löschen
  8. Es bewegt sich was und dennoch sieht es aus wie Erstarrung, Parallele zur Politik?... - da ist die Rotfleck-Radfahrerin ein Lichtblick... - sollte ich jemals solchen "durchsichtigen" Balkon beziehen müssen, würde er sehr wahrscheinlich komplett begrünt ;-) Lieben Gruß Ghislana

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gesehen & gekauft: Street Photography Now

Mit dem Fotografieren ist es wie mit Fußball, Schreiben, Singen, Tanzen oder einer anderen beliebigen schöpferischen Tätigkeit: Die Ergebnisse werden umso besser, je häufiger man/frau es tut. Oder altdeutsch ausgedrückt: Übung macht die MeisterIn.
Das gilt natürlich auch für die Straßenfotografie, dieses traditionsreiche Feld der Lichtbildnerei mit legendären Vertretern wie Henri Cartier-Bresson und Robert Frank. Doch wie nähert man sich dem Genre Street Photographie, wie fängt man an? Gehe ich einfach raus auf die Straße und schieße dort Leute mit dem Teleobjektiv ab, oder halte ich die Kamera wahllos in x-beliebige Szenen? Natürlich könnte man es machen, wie uns der Schweizer Thomas Leuthard in seinem eBook Collecting Souls rät:
Don’t study the work from the old masters, don’t go into exhibitions and don’t read about photography just go out and shoot in the streets. Nur nicht zu viel lesen und angucken vorher, einfach nur machen, meint er. Das ist natürlich Unsinn und das weiß verm…

Unleserlich: Das Ebook und die PDF-Pest

Ich versuche gerade die Programmiersprache Python zu lernen und kaufte mir  dafür ein Buch aus einem bekannten Wissenschaftsverlag.  Der Verlag ist so nett und bietet zusätzlich zum Papierbuch kostenlos die Ebook-Variante an, die es gegen einen im Buch abgedruckten Promocode im Onlineshop zum Download gibt. 
Dieses Angebot nahm ich gerne in Anspruch, denn ich habe einen Tolino-Reader, den ich für unterwegs in der Bahn oder im Bus oft mitnehme. Für Texte im EPUB- oder Text-Format ist er sehr gut geeignet, weniger gut gelöst ist allerdings die PDF-Darstellung. Wenn das PDF vom Layout nicht auf das Readerformat angepasst ist, wird das Lesen zur Qual. Das sollte sich jetzt rächen.

Auf meinem Tolino öffnete sich nach dem Download des Python3-Buches leider das Print-PDF: Die Schrift winzigklein, die farbigen Auszeichnungen ein grauer Einheitsbrei. Was in einem relativ großformatigen Buch gedruckt wunderbar funktioniert, das ist am Ebookreader nur noch Augenpulver. Wäre das Buch keine kostenl…

NaPoBloMo Folge 17-20: Ein Ausflug nach Leipzig. Oder nach „Hypezig“?

Es waren dreizehn Jahre, die ich in Leipzig gelebt habe. Es war eine wunderbare Zeit, vor allem am Anfang, 1994, bis in die frühen Nullerjahre. Eine Stadt, in der so viel passierte, obwohl oder gerade weil sie so kaputt war.

Dann, fast unmerklich passierte es, schien die Luft raus diesem wilden Pleiße-Ort, Müdigkeit schlich sich ein. Vielleicht lag es auch daran, dass mein Studium vorbei war, fast alle lieben, coolen, spannenden, anregenden Menschen, die Leipzig während unseres Studiums mit zu diesem prickelnden Ort gemacht hatten, weg waren. Das Studium beendet, in die Welt aufgebrochen, um zu arbeiten, weiter zu studieren, zu verschwinden, irgendwo zu heiraten und Kinder zu kriegen, in Dresden zu stranden, was auch immer. Dann ging ich auch fort, um aber etwa einmal im Jahr aus Beingründen vorbeizuschauen und so konnte ich dem alten Leipzig zusehen, wie es sich herausputzte, im Zeitraffer quasi.


Manche Sachen bekommt man aber doch nicht mit. So hörte ich vergangenes Jahr, es hieße…