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Frankenreise zwischen Natur und Rembrandt

Acker

Nur mit kleinem Fotogepäck war ich dieser Tage unterwegs in der alten Heimat. Eigentlich wollte ich dort auch an meinem Dorf-Projekt weiterarbeiten. Doch es regnete fast unentwegt, alles war in eine deprimierende Farblosigkeit getaucht. Nur an unserem Ankunftstag riss der Himmel für ein paar Stunden auf und wir sahen endlich nach Tagen voller Wolken und Grau wieder die Sonne, die dem frisch geeggten Acker seine scharfe Konturen gab.

Waldrand

Im Abendlicht tanzten die Mücken am Waldrand. Auf der Wiese dahinter waren es so viele, dass sie an Schneegestöber erinnerten. Doch das Gegenlicht war so hart, dass mein Versuch, das Gewimmel fotografisch einzufangen, leider nur recht unbefriedigende Ergebnisse gab.

Mond

Lange vermisst hatte ich als Stadtbewohner die Weite, die in Berlin an so wenigen Orten – wie dem Tempelhofer Feld – zu finden ist.  Wenn der Horizont weit weg ist und der Blick ohne Widerstand kilometerweit in die Ferne streifen kann, über Äcker und Wälder und Streuobstwiesen.

Leider war es das dann auch schon mit der regenfreien Zeit. Zum Glück gibt es noch Nürnberg und sein Germanisches Nationalmuseum, der ideale Aufenthaltsort für ungemütliche Tage. Erstaunlicherweise darf man mittlerweile auch im “Germanischen” fotografieren. Das hatte mich in der Berliner Gemäldegalerie schon positiv überrascht. Aber vermutlich ist in einer Zeit, wo jede/r ein Handy mit eingebauter Kamera in der Tasche hat, ein Fotoverbot nicht durchzusetzen. Wenn man ehrlich ist, ist es auch nicht sinnvoll. Denn erstens  sind in solchen Museen fast ausschließlich rechtefreie Werke zu sehen, zweitens gehören die Stücke in der Regel auch dem Staat – und damit auch jedem von uns BürgerInnen. Gekauft, restauriert und erhalten mit Steuergeld.

Dennoch macht das Fotografieren nicht wirklich Spaß. Das Licht ist aus konservatorischen Gründen wirklich lausig. Oder anders gesagt: es ist in den vielen Räumen ziemlich düster, unter ISO 1600  geht da gar nichts. Manchmal aber hat man Glück, wenn die Museumsmacher ihren Sinn fürs Dramatische ausleben. Der Raum mit dem riesigen hochmittelalterlichen Triumphkreuz (St. Maria in Kapitol, Köln) besitzt eine geradezu erhabene Lichtstimmung.

Kruzifix

Das Museum ist riesig. Nach mehreren Stunden in vielen halbdunklen Räumen mit praktische Allem, was Kunst, Kultur und Krieg über die Jahrhunderte in dem Gebiet, das wir heute Deutschland nennen, so hervorgebracht haben, stellte sich dann die typische geistige und optische Überfütterung ein. Doch ein Besuch in der kleinen Rembrandt-Sonderausstellung musste dann doch noch sein.

Rembrandt

Wer Rembrandt hört, denkt vermutlich an Ölmalerei, an riesige Gemälde wie die “Nachtwache” oder die “Die Anatomie des Dr. Tulp”. Doch Rembrandt war auch ein Meister der Radierung. Im 17. Jahrhundert war das eine noch recht junge Kunst, doch Rembrandt hinterließ Blätter von unglaublicher Könnerschaft und Eleganz.

Vor einiger Zeit stritt ich mit einem Freund, ob Kunst öffentlich verfügbar sein müsste, oder der Privatmarkt diese den Museen entziehen dürfe. Hintergrund war die Diskussion, ob Museen Bildern an Privatsammler verkaufen dürften, um an Geld zu kommen. Er meine, es würde doch reichen, wenn die Reproduktionen im Internet verfügbar seien. Warum müsse es immer das Original sein… 

Die Rembrandt-Ausstellung bestätigte mich erneut, dass nichts das Original ersetzen kann, als ich verblüfft vor dem Selbstporträt stand. Natürlich kannte ich es bereits – aber erst als ich es in natura in seiner Briefmarken-Kleinheit sah, begriff ich das Werk wirklich.

Aber das ist eine andere Diskussion. Und bevor ich in die abdrifte, beende ich diesen Text und wir lesen sehen uns in Kürze wieder mit dem 12tel Blick.

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