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NaPoBloMo Folge 13: Wir schleichen aufs Hauptor zu

Montag, der Dreizehnte. Wird das Datum in die Geschichte eingehen? Griechenland geknechtet, Philipp Mißfelder mit 35 an Lungenembolie gestorben und Gerhard Zwerenz, auf Fotos ewig schlecht gelaunt wirkender Autor und Ex-Bundestagsabgeordeter, ist ebenfalls tot. Am Tag bevor die erste menschengemachte Sonde am Pluto vorbeifliegen wird. Ob Außerirdische bereits vorbeigeschaut haben, wissen wir nicht, aber warum sollten sie.

Was hat das alles miteinander zu tun? Genau, nichts. Fast nichts. Außer, dass das im hier und heute passiert und ich doch hier angetreten bin, ein bisschen Architektur aus der Vergangenheit zu zeigen. Ich erinnere an die vorigen Folgen unserer Burg-Annäherung: Burg von weitem, dann stehen wir vor dem äußeren Tor, bewundern den rassistischen (und durchaus noch lebendigen) Geist des Mittelalters und jetzt, endlich, gehen wir durch das äußere Tor und stehen in der Vorburg. Der Blick ist frei auf den Kernbau der Cadolzburg.

Cadolzburg Hauptburg
Zufällig entstand dieses Bild im März.... Die Hauptburg
Links ist die Ringmauer aus dem 13. Jahrhundert und das Haupttor mit dem einzigen Turm zu sehen.  Die Burg wurde über Jahrhunderte bewohnt, die zollerschen Besitzer ging auch archektonisch mit der Mode und ließen den Westflügel im Renaissancestil umbauen. Irgendwann möchte man ja auch ein bisschen Licht reinlassen und nicht nur immer durch zugige Schießscharten und Wehrgänge auf die Welt da draußen gucken. Da die Burg auf einem mächtigen Sandsteinfelsen steht, der durch einen tiefen Halsgraben von der Vorburg getrennt ist, bot auch der Schlossbau – er heißt tatsächlich „Neues Schloss“ – den Bewohnern guten Schutz. Denn auch in der frühen Neuzeit ging es bisweilen rauh und gewalttätig zu. Glücklich, wer die Tür hinter sich zuschließen und das Übel aussperren kann.

Fotografisch ist das obige Bild kein Ruhmesblatt. Wie ich im Eingangsartikel schon schrieb, entstanden die Fotos über die Jahre eher zufällig und ohne Plan.Was man sieht, wenn wir uns jetzt dem nach Süden ausgerichteten Haupttor nähert.

Gerade noch düsters Schmuddelwetter, jetzt schönster Sonnenschein...

Das entstand am Tag zuvor, und ich hatte kein Bild von der Schloss-Seite gemacht – aus Trägheit, Ideenlosigkeit oder weil die Renaissancegiebel im Schatten lagen. So genau weiß ich das auch nicht mehr. Aber gehen wir näher ran,

Es ist ein sehr interessantes Burgtor. Sehr repräsentativ, wehrhaft, wuchtig. Das Bossenmauerwerk war in der Hochzeit des Burgenbaues der letzte Schrei (teuer!), zwei vorkragende Scharwachtecker geben dem Tor quasi ein Gesicht und Türmchen sind natürlich auch ein strukturierendes, gliederndes militärisches Element an der Fassade. Verschiedene Mauerlöcher lassen erahnen, dass hier die notwendigen Vorrichtungen für eine Zugbrücke Platz hatten.

Die Tür ist zum Burghof ist offen.
Ob es eine Zugbrücke gab, kann ich nur raten. Obwohl die Cadolzburg mit ihrer Masse den ganzen Ort beherrscht, es die einzige Dynastenburg weit und breit ist, die einzige Burg im Landkreis Fürth, jahrhunderte Sitz der fränkischen Zollern, später Kurfürsten von Brandenburg, später Könige in Preußen, Kaiser und so, habe ich zu diesem Bau keine ausführliche Baugeschichte gefunden. Keine genauere  Beschreibung der einzelnen Baugruppen gefunden, keine Zeichung des Grundrisses, keine archäologischen Infos. Gibt es so was? Es ist doch eigenartig, dass so ein hervorragendes Bauwerk über Jahrzehnte so stiefmütterlich behandelt, ja geradezu vernachlässigt wurde.

Eigentlich kein Wunder, dass meine Eltern mit mir nicht zur Burg fahren wollten, sonst interessierte sich ja auch niemand dafür. Und je länger ich mich damit beschäftige, desto seltsamer kommt mir die dünne Informationslage vor. Ich muss wohl doch in ein paar Bibliothekskatalogen stöbern. 

Ein Post im Rahmen der NaBloPoMo–Reihe: Die Idee: Im Juli an jedem Tag ein Blogbeitrag.

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