Direkt zum Hauptbereich

NaPoBloMo Folge 14-16: Zäsur mit Traumhaus

Heute lasse ich die Cadolzburg einfach Burg sein und nehme mir stattdessen die aktuelle Frage #16 vom Makellosmag vor:
Wie sähe dein Traumhaus aus, wenn du eines hast.
Traumhaus
Traumhaus? Eher nicht.
Traumhäuser. Sind das nicht diese Einfamilienschachteln, die sich dichtgedrängt und durcheinandergewürfelt in deutschen Vorstadtsiedlungen drängeln? Meist zweistöckige Häuschen – Parterre und Obergeschoß – mit Carport für zwei Autos, bunt glasierten Dachziegeln, garniert mit Krüppelwalm, Erkerchen und multigonalen Ausluchten, Dreiecksgucklöchern im Giebel, Scheinmansarden und alpenländisch anmutenden Balkonen in der norddeutschen Tiefebene oder auf dem fränkischen Acker. Eingerahmt von Tujenhecken, falschen Granitmäuerchen, dazwischen malerische Stichstraßen mit Verbundpflaster und Cotoneaster-Rabatten, verkehrsberuhigt und menschenleer. Solche Häuschen sehe ich immer auf Prospekten, manchmal auch auf Plakaten in Bus und Bahn, die mich anschreien: „Wir bauen ihr Traumhaus“.

Traumhaus. Das kann auch Albtraum bedeuten. Ich bin stolzer Teilerbe eines Mehrfamilienhauses, das meine Eltern sich buchstäblich vom Mund abgespart haben. Ein Haus zu haben, bedeutet für mich vor allem Arbeit, Pflichten und Geld ausgeben, immer wieder, ohne dass jemals ein Ende in Sicht wäre. Weil das Dach neu gedeckt werden muss, die Heizung kaputt ist, die Fassade eine Wärmedämmung braucht. Und schon wieder ist die Heizung hinüber (haben wir die nicht erst vor 5 Jahren ausgetauscht?), die Fassade braucht einen Anstrich und dann rosten die Trinkwasserrohre durch und machen nasse Flecken an der Wand. Hat man die aufgestemmten Wände endlich getrocknet, zugemauert und verputzt, sind neue Fenster fällig und der Papa hat schlimm Rücken von den ganzen langen Jahren, die er im und am Haus geschuftet hat.

Ja, so ein Haus ist schon eine feine Sache… ein Traumhaus ist es, wenn man so viel Geld hat, dass einem die ewige Instandhaltung nicht weh tut, jemand den Garten pflegt und die Flächen putzt, sich um Versicherungen kümmert. Und wenn das Traumhaus nicht mehr den geträumten oder realen Anforderungen entspricht, dann verscherbelt man den Kasten und baut sich ein neues, nein: lässt eins bauen, selbstverständlich vom Architekten seiner Wahl, weil man nicht auf den Euro schauen muss. Das wäre doch ein Traum.

Ein Post im Rahmen der NaBloPoMo–Reihe: Die Idee: Im Juli an jedem Tag ein Blogbeitrag.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Unleserlich: Das Ebook und die PDF-Pest

Ich versuche gerade die Programmiersprache Python zu lernen und kaufte mir  dafür ein Buch aus einem bekannten Wissenschaftsverlag.  Der Verlag ist so nett und bietet zusätzlich zum Papierbuch kostenlos die Ebook-Variante an, die es gegen einen im Buch abgedruckten Promocode im Onlineshop zum Download gibt. 
Dieses Angebot nahm ich gerne in Anspruch, denn ich habe einen Tolino-Reader, den ich für unterwegs in der Bahn oder im Bus oft mitnehme. Für Texte im EPUB- oder Text-Format ist er sehr gut geeignet, weniger gut gelöst ist allerdings die PDF-Darstellung. Wenn das PDF vom Layout nicht auf das Readerformat angepasst ist, wird das Lesen zur Qual. Das sollte sich jetzt rächen.

Auf meinem Tolino öffnete sich nach dem Download des Python3-Buches leider das Print-PDF: Die Schrift winzigklein, die farbigen Auszeichnungen ein grauer Einheitsbrei. Was in einem relativ großformatigen Buch gedruckt wunderbar funktioniert, das ist am Ebookreader nur noch Augenpulver. Wäre das Buch keine kostenl…

Karpfenreportage: Des Franken liebsten Fisch auf der Spur

Manche Fotomotive lassen mich einfach nicht los.

Der fränkische Spiegelkarpfen zum Beispiel fasziniert mich seit meiner Kindheit. Aufgewachsen in einer Gastwirtschaft, wurde ich als kleiner Junge jeden Herbst Zeuge eines wahrhaft gargantuischen Ereignisses – der "Fischpartie" im Gasthaus Bräustübl in einer kleinen fränkischen Marktgemeinde. 250 bis 300 Karpfen von je rund 1,5 kg Gewicht verkaufte meine Großmutter, die legendäre Grete Süß, in halben Portionen innerhalb von 4 Tagen an die hungrigen Gäste.



Ein goldgrüner Karpfen nach dem anderen wurde geschlachtet  Das Bild der Metzgers, der die lebenden Fische in dieser Zeit schlachtete und für die Küche vorbereitete, werde ich nie vergessen. Das stand dieser mächtige, fast zahnlose Mann mit weißer Schürze und blaugestreifer Arbeitskleidung in der Waschküche, die als Schlachthaus diente. Mit präzisen Handgriffen holte er einen goldgrün schimmernden Spiegelkarpfen nach dem anderen aus einer riesigen Zinkwanne, betäubte die zapp…

Video aus dem Bus der Hölle: Mit dem M29 von Kreuzberg zum Wittenbergplatz

Sogar zu einer eigenen Facebook-Seite hat es die Berliner Buslinie M29 gebracht: M29 - Bus der Hölle wird er dort genannt. Das M in M29 steht übrigens für Metrolinie. Im Unterschied zu Bussen ohne M stehen die Metroliner in einer dichteren Taktfolge im Stau und sind noch vollgestopfter mit Berliner Bevölkerung und Touristen.

Folglich ist damit auch der M29 gerne unpünktlich, fast immer überfüllt und manchmal wartet man auch vergeblich, wenn die Stadt wieder einmal halb Neukölln, Kreuzberg, Mitte und Schöneberg wegen
Berlin-MarathonBerlin-Halbmarathon  Radrenneneiner Demo/ProtestaktionBaustelleWasserrohrbruchUnfallPolizeieinsatzRettungseinsatzNix gesperrt hat. Die Busfahrer_innen müssen die wuchtigen Doppeldeckerbusse zudem über eine irre Distanz durch mehrere Stadtbezirke voller Staus und Dauerbaustellen, irrer Autofahrer, Falschparker und bisweilen selbstmörderisch kreuzender Radfahrer steuern. Dabei kommen sie durch anarchistisch anmutende Straßenabschnitte wie die Kreuzberger Orani…