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NaPoBloMo Folge 6: Auftakt zum Burgenausflug nach Franken

Heute – und an den kommenden Tagen – mache ich beim NaPaBloMo des makellosmag.de einen kleinen Schlenker nach Franken. Hier beginnt eine kleine (Foto-)Geschichte über eine sehr interessante Burg, die mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Obwohl sie von meinem Heimatort keine 20 Kilometer entfernt steht, bekam ich sie in natura erst zu sehen, als anfing, mit 15 meinen Landkreis auf meinem weinroten Hercules-Mofa zu erkunden.  So ungefähr sah es aus, wenn ich mich von Westen der Cadolzburg im gleichnamigen Ort im Landkreis Fürth näherte.

Die Cadolzburg, Blick von Westen (Dia von ca. 1992)
Bis dahin hatte ich die Burg nur von Weitem vom Auto aus allenfalls erahnt, wenn ich mit meinen Eltern an Wochenenden über die Bundesstraße 8 Richtung Fürth fuhr. Aus großer Entfernung war am Horizont ein riesiges Gebäude zu erkennen, als Burg aber kaum erkennbar. Ein Abstecher nach Cadolzburg kam für meine Eltern aber nie in Frage. Es wären zwei Kilometer Umweg gewesen, zwei Kilometer zu viel – denn es gab immer etwas anderes zu tun, als in den wenigen freien Stunden zwischen Arbeit und Hausbau einen Abstecher zu einer, für meine Eltern uninteressanten Ruine zu machen, die man eh nicht besichtigen konnte.

Denn in den letzten Kriegstagen 1945 war die Cadolzburg abgebrannt, geblieben war eine leere verrammelte Hülle ohne Dächer, die Jahrzehnte lang dann vor sich hingammelte. Mehr als 800 Jahre hatte sie da gestanden, war Sitz der hohenzollerschen Nürnberger Burggrafen, ein Machtzentrum, und jetzt wusste niemand etwas mit dem ruinösen Bauwerk anzufangen. Bis in den 1980er Jahren die Bayerische Burgen- und Schlösserverwaltung endlich mit der Renovierung anfing und dem mächtigen Bau wieder seine Dächer zurückgab.     

Und mit dem Tele noch ein bisschen näher herangeholt
Infos zur Burg fand ich als Kind und Jugendlicher nur in der Tageszeitung, wenn dort über Nutzungskonzepte und Renovierungspläne berichtet wurde. Es gab ja noch kein Internet, wo man eben mal „Cadolzburg Burg“ bei Google eintippt und 297.000 Ergebnisse bekommt. In meiner Dorfbücherei erhielt ich bei meiner Suche nach Literatur genau null Ergebnisse, eine Buchhandlung, wo es vielleicht Heimatliteratur gegeben hätte, gab am Ort es nicht.

So sah ich die Cadolzburg das erste Mal aus der Nähe, als die ersten Rekonstruktionen bereits im Gange waren. Damals fotografierte ich leider noch nicht, ich habe also keine Fotos aus den 1980er Jahren. Die beiden Bilder hier stammen etwa aus dem Jahr 1992, als ich mit meiner frisch erworbenen Gebrauchtfotoausrüstung loszog (jetzt mit dem Auto, nicht mehr mit dem Mofa) und mir die Burg als Objekt aussuchte.

Je öfter ich vor dem mächtigen Bau stand, desto mehr faszinierte mich diese Mischung aus Schloss und Burg, die so einzigartig im Landkreis Fürth ist.  Leider konnte man nicht ins Innere, jedenfalls nicht, wenn ich als Gelegenheitsbesucher vorbeikam. Denn es gab immer wieder Führungen und Konzerte im Burghof. In den folgenden Jahren sah ich immer wieder vorbei, jetzt oft mit Kamera. Die Fotos entstanden vollkommen planlos. War ich dort, spazierte ich um die Burg und drückte ab, ohne mir groß gestalterisch Gedanken zu machen, wofür ich die Bilder jemals verwenden wollte. Als ich endlich die Gelegenheit hatte, die Cadolzburg von innen zu sehen, musste ich betteln, ein paar Fotos machen zu dürfen und war auch technisch nicht besonders gut vorbereitet.

Diese Fotos und andere zeige ich euch in den nächsten Tagen bei meinem virtuellen Rundgang zur und durch die Cadolzburg, die übrigens mehr mit Berlin zu tun hat, als viele wissen. Kleiner Tipp: die fränkischen Hohenzollern waren ab 1415 Kurfürsten von Brandenburg.


Ein Post im Rahmen der NaBloPoMo–Reihe: Die Idee: Im Juli an jedem Tag ein Blogbeitrag.

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