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NaPoBloMo Folge 9-12: Ein heikles Thema – antijüdische Symbole am Burgtor

Ja, ja die fränkischen Zollern. Eine schicke Burg haben sie da gekauft und dann ausgebaut, eine sichere Festung, aber auch Machtsymbol.

Wir nähern uns also dem Zugang zum Zentrum der weltlichen Macht und stehen auf einmal vor einer so genannten „Judensau“ – übrigens das größte bekannte Spottrelief dieser Art. Rund 30 solcher Schandbilder sind heute noch bekannt, zu finden sind sie nahezu ausschließlich im deutschsprachigen Raum.


Eine Riesensauerei, mit der die Herrscher der Burg, also die fränkischen Hohenzollern, klar Haltung gegenüber ihren jüdischen Untertanen bezogen. Das Motiv ist schwer zu erkennen, denn nach rund 600 Jahren ist der Sandstein verwittert. Die beste Bildbeschreibung fand ich einem recht neuen Text von Hermann Rusam in der Nürnberger Zeitung:
„Genauer betrachtet enthält das Relief zwei verschiedene judenfeindliche Themen, die in einzigartiger Weise im Bild kombiniert sind, nämlich links die bekannte Darstellung der „Judensau“ und rechts den Tanz um das goldene Kalb. Im linken Teil des Reliefs ist mit einiger Mühe ein großes nach rechts schauendes Schwein mit drei umgebenden Figuren zu erkennen.
Hinter dem Tier steht ein Jude, dessen charakteristischer Hut inzwischen verwittert ist. Seine rechte Hand ruht auf dem Schenkel des Tieres.Er hat den Oberkörper vorgebeugt und küsst anscheinend das Hinterteil des Schweins. Ein zweiter kniender Jude saugt gierig an einer der Zitzen. Ein dritter bärtiger Jude ist wegen der starken Verwitterung nur noch ansatzweise zu erkennen. Er steht hinter dem Kopf des Schweins und umarmt seinen Hals.
Der rechte Teil des Reliefs zeigt den aus dem Alten Testament bekannten Tanz um dass goldene Kalb. Dieses steht im Eck rechts oben auf einer hohen Säule. Darunter umtanzen – lebhaft bewegt – drei gegenüber den übrigen Figuren auffallend klein dargestellte Juden das Kalb. Die Tänzer respektive ,Teufelsanbeter’ halten sich dabei an den Händen.” (Steinernes Schmähbild des Rassenhasses, 12.9. 2014);
Juden mit einem solchen tabusierten Tier in entwürdigender Weise darzustellen, hatte also den Zweck, sie zu „verhöhnen, ausgrenzen und demütigen, da das Schwein im Judentum als unrein (hebr. tame) gilt und mit einem religiösen Nahrungstabu belegt ist.“ (Wikipedia).

Über Jahrhunderte hing das Bildwerk offenbar unbehelligt an der Torfassade und blieb nach dem Brand der Burg 1945 scheinbar unbeobachtet. Bis im Jahr 2003 die Müncher Künstler Wolfram Kastner und Peter Wangerin erfolgreich eine Initiative, die Cadolzburger „Judensau“ nicht länger unkommentiert zu lassen. Sie forderten eine Hinweistafel unter dem Relief, das die antisemitische Sauerei beim Namen nennen und den Hintergrund erklären sollte. „Die beiden Künstler fordern deshalb von der bayerischen Staatsregierung, die die Burg momentan aufwendigst renoviert, dass diese sich öffentlich und deutlich von den Schmähungen distanziert“ hieß in den Fürther Nachrichten vom 28.07.2003. „Die Burgsau gehört in ein Museum der Kriminalgeschichte des Christentums“, wird Wolfram Kastner zitiert. Für ihn seien die Reliefs Zeichen der Verachtung und Ausgrenzung, die ein zerstörerischer christlicher Fundamentalismus gesetzt hat.“ Die Diskussion um die Hinweistafel zog weitere Kreise, selbst in der Neuen Zürcher Zeitung sinnierte man über einen mögliche Text zu der „klerikalen Folkore“ an der Cadolzburger Burgfassade nach.

Wäre ich Hobbyhistoriker und hätte unendlich Muße und Zeit, würde ich natürlich jetzt den ganzen Fortgang der Geschichte detailliert berichten. Wie der Markt Cadolzburg sich in der Angelegenheit zierte, Verantwortlichkeiten herumgeschoben wurden und am Ende das für die bayrischen Schlösser und Burgen zuständige Ministerium doch handelte. Aber morgen ist ja auch wieder ein Tag und wir wollen ja endlich mal rein in die Cadolzburg. Und so ein Blogartikel soll auch irgendwann fertig werden.

Deshalb mache ich es jetzt kurz: Als ich im Dezember 2005 die Burg besuchte, fand ich auf der Brückenbrüstung unter dem Relief eine sehr neu aussehende Tafel mit einer Beschreibung vor. Ich weiß nicht ob sie noch da ist, den Text tippte ich vom Foto ab. Mein Gedanke dazu: Geht doch. Warum nicht gleich so?

„Judensau“ Cadolzburg

[...]  Das Relief links neben dem Tor zeigt ein Spottbild auf die Juden, eine so genannte „Judensau“.

Zum Zeitpunkt der Anbringung dieses Reliefs war die Cadolzburg Residenz des Markgrafen Friedrich I. und Zentrum des Burggraftums Nürnberg. Den Wappen zufolge dürfte das Tor zwischen 1417 und 1437 neu errichtet worden sein.

In der bildlichen Darstellung werden Juden (an ihrer Kleidung erkennbar) gezwungen, an den Zitzen einer Sau zu saugen. Damit werden die Juden verhöhnt, denn das Schwein ist nach dem mosaischen Gesezt in unreines Tier.

Am Tor des Fürstensitzes sollte die Judensau die judenfeindliche Politik der Burggrafen kundtun. Sie ist Dokument einer diffamierenden Haltung.

Juden mussten damals vor allem als Geldhändler und Verleiher tätig sein, da ihnen andere Berufe verschlossen waren. VOn ihrere christlichen Kundschaft wurden sie sozial deklassiert. Sie standen außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. Die Ansiedlung war nur mit Schutzbriefen der Obrigkeit möglich.
Ein Post im Rahmen der NaBloPoMo–Reihe: Die Idee: Im Juli an jedem Tag ein Blogbeitrag.

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