Direkt zum Hauptbereich

Es ist ein Auto, es ist ein Opel, ein Opel Kadett

Heute wurde das Geschäft verkündet. Für schlappe 1,3 Milliarden Euro stößt General Motors Opel ab. Ist es Zufall, dass ich gestern am Rand des Humboldthains auf einen arg lädierten Kadett B mit Oldtimerkennzeichen stieß? Die rechten Reifen beide platt, der Lack rau und matt, aber ansonsten äußerlich unversehrt. Das Innenleben dürfte aber nicht so gut aussehen, sonst würde das Schätzchen nicht scheinbar herrenlos vor sich hingammeln. Außen ok, wenn man genauer hinsieht aber ziemlich mürbe, so wie lange Zeit die einst glorreiche Firma aus Rüsselsheim, diesem Ort, von dem jeder schon gehört, den aber kaum jemand besucht hat. 


Opel Kadett B

Die deutsche Automarke für Rentner und Fuchsschwanzbesitzer wird also französisch. Ob mein Opa, der fanatische Opelfan, jetzt nochmal eines der Autos mit dem Blitz am Kühler kaufen würde? Vermutlich schon, denn dass Opel zu General Motors gehörte, hatte ihn trotz seines historisch begründeten Antiamerikanismuses nie gestört. Die Frage ist natürlich rein hypothetisch, denn der Großvater ist seit fast 36 Jahren tot, gestorben an den Langzeitfolgen eines Autounfalls, der ihn völlig schuldlos in seinem – was sonst – Opel Rekord ereilte.

Ohne Hut setzte sich Opa nie ans Steuer

Zwei weitere Opel Rekord (immer in der Ausstattung "L" für Luxus oder Limousine – so genau weiß ich das nicht) konnte er noch kaufen, bevor er an einem schönen Frühlingstag 12 Jahre nach dem Unfall endgültig ging. Am Steuer hatte er da schon lange nicht mehr gesessen. Doch so lange er noch selbst fuhr, tat er das niemals ohne Hut. Seinen Gehstock, ohne den er keinen Schritt mehr tun konnte, legte er während der Fahrt in die Rinne zwischen Fahrersitz und Tür. Praktisch, nicht wahr?

Das Kadett Coupé hätte er am liebsten selbst behalten 

Und der Kadett B? Welche Rolle spielte der? Meine Tante hatte einen, ein Coupé in leuchtendem Orange, eine herrliche Farbe, wie sie Autos nur in den Siebzigern besaßen. Ich kann mich noch an den singenden Klang des Motors erinnern, diesen typischen Opelsound, und an das schwarze Vinyldach mit der Narbenstruktur. Gekauft hatte das Auto natürlich mein Opa; wahrscheinlich hätte er es am liebsten für sich gehabt. Aber in der Garage stand nun leider schon sein beiger Opel Rekord C... Das vollkommen untantige Tanten-Auto erreichte leider nicht den Oldtimerstatus, sondern verschied noch sehr jung in einem Straßengraben. Meine ebenfalls noch sehr junge Tante kam glücklicherweise mit ein paar Prellungen und gebrochenen Rippen davon, wahrscheinlich weil das Coupé schon mit Sicherheitsgurten ausgestattet war.





So Opel-mäßig vorbelastet musste mein erstes eigenes Auto natürlich auch einen Blitz am Kühler haben. Es wurde ein roter Kadett aus der D-Reihe, schon arg abgeschraddelt vom Vorgänger, mit Elektrikproblemen und Velour-Sitzen. Ich weiß heute noch das Kennzeichen und natürlich sang ich den Hosensong mit, ohne damals die Ironie zu erkennen. Ich war ja Opelfahrer...

Byebye Kadett, hieß es dann irgendwann auch für den D-Kadett. Byebye Opel!


Opel Kadett B

Kommentare

  1. Hach ja.
    Schöner Post. So in den alten Zeiten zu schwelgen - da hat sicher jeder ganz eigene Erinnerungen dazu. Ich natürlich auch.
    Viele Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Irgendwie waren Autos in den 70er und 80ern wichtiger als heute, oder bilde ich mir das ein? In meiner Altersklasse träumten jedenfalls alle vom eigenen Auto.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Heiße Liebe in Schwarz nach enttäuschter Beziehung

Es gab schon einige in meinem Leben. Kantige, Zickige, Schmiegsame, Unauffällige, Laute, Professionelle und welche mehr zum Spielen, denn zum ernsthaften Arbeiten. Ich rede hier von Fotoapparaten – und wer schon einmal ernsthaft über einen längeren Zeitraum fotografiert hat, wird mir womöglich zustimmen, dass sich zwischen dem Apparat und dem fotografierenden Menschen mit der Zeit eine gewisse (haptische) Beziehung aufbaut.

Mich hat es im vergangenen Sommer schwer erwischt. Brennende Leidenschaft, große Liebe, nach vielen müden Kompromissen. Inzwischen verstehe ich den Enthusiasmus der Leicafans. Es ist wohl diese Kombination aus Wertigkeit und Reduktion auf das Wesentliche: Eine Maschine zum Bilder festhalten, ohne Kompromisse und Schnickschnack, mit sündteuren, aber auch sehr guten Optiken. Doch bei mir ist es die Ricoh, die mich zum Fanboy machte.


Von der Samsung EX1 zur Ricoh GR II Müde von den Unzulänglichkeiten meiner Samsung EX1, machte ich mich auf die Suche nach Ersatz für d…

Fotospielereien mit Cyanotypie

Letzthin machte mich ein SpOn-Artikel zu “ifon-Fotos im Blaudruck” auf die Cyanotypie aufmerksam.. Die Ergebnisse sahen interessant aus – allein durch die außergewöhnliche Struktur und Farbe. Natürlich funktioniert Cyanotypie auch ohne ifon. Man kann die Negativ-Vorlagen aus jedem beliebigen Digitalfoto erzeugen. Wer (noch) eine Dunkelkammer hat und gerne mit noch mehr Chemikalien panscht, kann auch aus jedem beliebigen Negativ tolle Vorlagen vergrößern.
Die Verweise im SpOn-Artikel aber kann man ignorieren, im Internet sind umfangreiche und gute Anleitungen frei verfügbar. Nachdem ich wusste, was ich brauche, klickte ich mich erst Mal durch die Onlineshops verschiedener Chemikalien-Lieferanten auf der Suche nach Ammoniumeisen(III)-Citrat und Kaliumhexacyanoferrat(III), kurz Kaliumferricyanid oder Rotes Blutlaugensalz. Diese beiden Eisensalze sind der Ausgangsstoff für eine lichtempfindliche Lösung, mit der sich beliebige saugfähige Untergründe beschichten lassen. Unter UV-Licht wand…

Unleserlich: Das Ebook und die PDF-Pest

Ich versuche gerade die Programmiersprache Python zu lernen und kaufte mir  dafür ein Buch aus einem bekannten Wissenschaftsverlag.  Der Verlag ist so nett und bietet zusätzlich zum Papierbuch kostenlos die Ebook-Variante an, die es gegen einen im Buch abgedruckten Promocode im Onlineshop zum Download gibt. 
Dieses Angebot nahm ich gerne in Anspruch, denn ich habe einen Tolino-Reader, den ich für unterwegs in der Bahn oder im Bus oft mitnehme. Für Texte im EPUB- oder Text-Format ist er sehr gut geeignet, weniger gut gelöst ist allerdings die PDF-Darstellung. Wenn das PDF vom Layout nicht auf das Readerformat angepasst ist, wird das Lesen zur Qual. Das sollte sich jetzt rächen.

Auf meinem Tolino öffnete sich nach dem Download des Python3-Buches leider das Print-PDF: Die Schrift winzigklein, die farbigen Auszeichnungen ein grauer Einheitsbrei. Was in einem relativ großformatigen Buch gedruckt wunderbar funktioniert, das ist am Ebookreader nur noch Augenpulver. Wäre das Buch keine kostenl…