Direkt zum Hauptbereich

Video aus dem Bus der Hölle: Mit dem M29 von Kreuzberg zum Wittenbergplatz


Bus M29 am Moritzplatz
Mit elegantem Schwung gleitet der M29 um den Moritzplatz. Man beachte, wie geschickt der Busfahrer die Zentrifugalkraft nutzt, um den MAN-Doppeldeckerbus mit maximaler Beschleunigung um den Kreisverkehr zu steuern.
Sogar zu einer eigenen Facebook-Seite hat es die Berliner Buslinie M29 gebracht: M29 - Bus der Hölle wird er dort genannt. Das M in M29 steht übrigens für Metrolinie. Im Unterschied zu Bussen ohne M stehen die Metroliner in einer dichteren Taktfolge im Stau und sind noch vollgestopfter mit Berliner Bevölkerung und Touristen.

Folglich ist damit auch der M29 gerne unpünktlich, fast immer überfüllt und manchmal wartet man auch vergeblich, wenn die Stadt wieder einmal halb Neukölln, Kreuzberg, Mitte und Schöneberg wegen
  • Berlin-Marathon
  • Berlin-Halbmarathon 
  • Radrennen
  • einer Demo/Protestaktion
  • Baustelle
  • Wasserrohrbruch
  • Unfall
  • Polizeieinsatz
  • Rettungseinsatz
  • Nix
gesperrt hat. Die Busfahrer_innen müssen die wuchtigen Doppeldeckerbusse zudem über eine irre Distanz durch mehrere Stadtbezirke voller Staus und Dauerbaustellen, irrer Autofahrer, Falschparker und bisweilen selbstmörderisch kreuzender Radfahrer steuern. Dabei kommen sie durch anarchistisch anmutende Straßenabschnitte wie die Kreuzberger Oranienstraße und bewegen sich in endlosen Ampelstafetten meist im Stop-and-Go-Modus fort. Da kann schon die eine und andere Verspätung auflaufen. Und weil die Linie auf einigen Teilstücken das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs bildet, wird es regelmäßig kuschlig eng in den gelben Riesen.

Am Abend aber findet man auch auf den Panoramaplätzen im Oberdeck ein Plätzchen und kann  auf der Fahrt eine Menge interessanter Sachen beobachten. Das folgende Video zeigt das Teilstück zwischen Görlitzer Bahnhof und dem KadeWe am Wittenbergplatz in Echtzeit. Ich frage mich, wie der Bus am Tag die komplette Strecke in der planmäßigen Fahrtzeit von 63 Minuten schaffen soll. Denn schon dieses knapp 8 Kilometer kurze Teilstück benötigt am Abend bei relativ wenig Verkehr fast eine halbe Stunde Fahrtzeit.

Und jetzt geht's los. Einsteigen und die Fahrt in Echtzeit genießen.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Heiße Liebe in Schwarz nach enttäuschter Beziehung

Es gab schon einige in meinem Leben. Kantige, Zickige, Schmiegsame, Unauffällige, Laute, Professionelle und welche mehr zum Spielen, denn zum ernsthaften Arbeiten. Ich rede hier von Fotoapparaten – und wer schon einmal ernsthaft über einen längeren Zeitraum fotografiert hat, wird mir womöglich zustimmen, dass sich zwischen dem Apparat und dem fotografierenden Menschen mit der Zeit eine gewisse (haptische) Beziehung aufbaut.

Mich hat es im vergangenen Sommer schwer erwischt. Brennende Leidenschaft, große Liebe, nach vielen müden Kompromissen. Inzwischen verstehe ich den Enthusiasmus der Leicafans. Es ist wohl diese Kombination aus Wertigkeit und Reduktion auf das Wesentliche: Eine Maschine zum Bilder festhalten, ohne Kompromisse und Schnickschnack, mit sündteuren, aber auch sehr guten Optiken. Doch bei mir ist es die Ricoh, die mich zum Fanboy machte.


Von der Samsung EX1 zur Ricoh GR II Müde von den Unzulänglichkeiten meiner Samsung EX1, machte ich mich auf die Suche nach Ersatz für d…

Mittelalterliches Bilderrätsel: Wer ist der Reiter der Apokalypse?

An Gästebüchern von Museen und Ausstellungen kann ich einfach nicht vorbeigehen, ohne wenigstens ein bisschen darin zu blättern. Diese Schwarten sind so was wie das Äquivalent  der Kommentarfunktion in Blogs: jeder kann unerkannt und unzensiert seine Meinung abgeben. Alles ist vertreten: Allgemeinplätze, fachkundiges Lob, provokatives Getrolle, hirnbefreites Gemotze, freundliche Bemerkungen.

Gerne in Domen zu finden: Bildergeschichten von Mord und Totschlag. Die Auflösung gibt es weiter unten.

Letzthin las ich im Gästebuch an der Pforte des Doms zu Brandenburg an der Havel folgenden Eintrag, vermutlich von einem Kind:
Ich fand es langweilig. Dome finde ich im Allgemeinen nicht so interessant. Da scheint jemand nicht von der allgemeinen Mittelalterbegeisterung infiziert worden zu sein. Aber es stimmt schon. So ein Dom ist objektiv betrachtet auf den ersten Blick nicht viel mehr als ein riesiger Steinhaufen mit Fenstern, Säulen, Pfeilern. Schlecht beleuchtet und miserabel beheizt sind …

Karpfenreportage: Des Franken liebsten Fisch auf der Spur

Manche Fotomotive lassen mich einfach nicht los.

Der fränkische Spiegelkarpfen zum Beispiel fasziniert mich seit meiner Kindheit. Aufgewachsen in einer Gastwirtschaft, wurde ich als kleiner Junge jeden Herbst Zeuge eines wahrhaft gargantuischen Ereignisses – der "Fischpartie" im Gasthaus Bräustübl in einer kleinen fränkischen Marktgemeinde. 250 bis 300 Karpfen von je rund 1,5 kg Gewicht verkaufte meine Großmutter, die legendäre Grete Süß, in halben Portionen innerhalb von 4 Tagen an die hungrigen Gäste.



Ein goldgrüner Karpfen nach dem anderen wurde geschlachtet  Das Bild der Metzgers, der die lebenden Fische in dieser Zeit schlachtete und für die Küche vorbereitete, werde ich nie vergessen. Das stand dieser mächtige, fast zahnlose Mann mit weißer Schürze und blaugestreifer Arbeitskleidung in der Waschküche, die als Schlachthaus diente. Mit präzisen Handgriffen holte er einen goldgrün schimmernden Spiegelkarpfen nach dem anderen aus einer riesigen Zinkwanne, betäubte die zapp…